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1 (1924) Das Leben
Entstehung
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338
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338 DIE PREDIGTEN ÜBER AMOS

wicht wäre. Wohl sei es wahr, daß der Papst, wie der Frate be-haupte, die Predigt nicht untersagen könne. Dies gelte jedoch nurvon der Predigt im allgemeinen, nicht aber von einem einzelnenPredigtverbote, das heißt, er könne zwar nicht die Predigt über-haupt verbieten, denn das verstieße allerdings wider die christ-liche Liebe, sehr wohl aber könne' er den einen oder anderen Pre-diger von der Kanzel fernhalten. Endlich verwies Meister Gregordie Gläubigen zu ihrer Beschämung auf Isaias und Jeremias(Is. 3, 4, 12), die Wehe über die Stadt ausriefen, an deren Spitzedie Kinder stünden 76 .

Meister Gregor hätte nicht mit solcher Schärfe gegen den Fratezu Felde ziehen können, hätte er nicht an einer mächtigen Parteiseinen Rückhalt gehabt, deren Sprachrohr er bildete. Wohl konn-ten sich die Arrabbiaten an Zahl mit den Frateschen, die zwei Drit-tel der Bevölkerung umfaßten 76 , entfernt nicht messen; aber siewaren diesen doch an Geld und Einfluß weit überlegen 77 und ver-mochten daher dem Predigtverbote Trotz zu bieten, von dem Mei-ster Gregor durch den Gegner betroffen war. Dagegen war derFrate insofern erheblich im Vorteile, als er die Signorie der Mo-nate März und April wie auch Mai und Juni auf seiner Seite hatte.Peter Albizzi, der Bannerherr der Gerechtigkeit für diese letzterenMonate, war einer seiner treuesten Anhänger 78 . Wie er sich nunvon den Arrabbiaten von der Kanzel verdrängt und auf Leben undTod bekämpft sah 79 , so rückte er auch ihnen schonungslos zuleibeund nahm sich besonders der von ihnen bedrohten Sache desVolkes mit einem Eifer an 80 , der den Verdacht seiner Gegner wachrief, er habe es selbst auf die Herrschaft abgesehen. Er wardnun erst recht das Ziel neuer lebensgefährlicher Angriffe derFeinde und mußte von seinen Freunden noch sorgsamer als bisherbehütet und mit noch stärkerer Schutzwehr umgeben werden. DieGegensätze verschärften sich in einer Weise, daß ein blutiger Zu-sammenstoß zwischen den beiden großen Parteien unabwendbarerschien 81 . Schon begannen sich sogar manche seiner Anhängervon ihm abzuwenden, aus Verdruß darüber, daß sie der erhofftenWürden und Ämter nicht teilhaft wurden, sowie aus Ärger überden Spott der Fremden, da es überall in Italien hieß, die Floren-tiner ließen sich von einem hergelaufenen Mönche gängeln, alswären sie nicht selbst imstande, das Ruder zu führen. Der Frateließ sich nicht aus der Fassung bringen und setzte seine Kanzel-