336 DIE PREDIGTEN ÜBER AMOS
chenbanne verfallen, selbst wenn der Papst der gottloseste Menschwäre. Er machte sich anheischig, mit dem Frate einen Redekampfaufzunehmen, und erbot sich, falls dieser auch nur den achtenTeil einer Stunde im Feuer stehen wolle, darin acht Stunden aus-zuhalten. Er führte aus, was der Frate vorausgesagt habe, seifalsch und das Volk betrogen. Er könne sich nicht genug wun-dern, wie die Florentiner, allgemein als so erfahrene und gescheiteLeute bekannt, so tief gesunken seien, sich gar noch von Kindernbeherrschen zu lassen. Er schalt sie heftig, daß sie sich auf dieKinderreform eingelassen hätten, die ihnen zum größten Vorwurfegereiche. Er ließ durch die Gläubigen seiner Pfarrei eine Prozes-sion mit zahllosen Lichtern abhalten, um den Zorn Gottes abzu-wenden und den Himmel um seine Barmherzigkeit anzuflehen 71 .Da nun der Frate die Kinderreform im Gegenteil aufs wärmsteempfahl, so gingen die Meinungen der Gläubigen weit ausein-ander; immerhin behielt der Frate die Oberhand, seine Münzestand in Geltung und man konnte insofern sagen, er beherrschedas Volk 72 . Auf sein Betreiben ward denn auch dem Meister Gre-gor von der Behörde eröffnet, er möge, wenn er der Stadt Unruheund sich selbst Unannehmlichkeiten ersparen wolle, seine bis-herige Predigtweise einstellen, worauf er sich behutsam zurück-zog 73 . Es währte jedoch nicht lange, so erschien er neuerdingsauf der Kanzel und hielt den Florentinern ihre blinde Vertrauens-seligkeit gegenüber dem Frate vor. Man könne nicht wissen, wasdieser im Schilde führe, und ob er nicht auch etwa Dinge plane,wie einst in Pavia der Prediger Jakob Bussolari", der sich zumHerrn der Stadt aufwarf und sie dann an' den Herzog von Mai-land verriet. Ganz besonders aber möge man ein wachsames Augeauf die roten Kreuze haben, die der Frate den Kindern in dieHand drücke, denn sie könnten ganz leicht etwas ganz anderes zubedeuten haben. Von der Signorie abermals zum Stillschweigenaufgefordert, erschien Meister Gregor persönlich im Palaste, umsich zu rechtfertigen. Nicht in übler Absicht, beteuerte er, son-dern lediglich um des Besten der Stadt selbst willen habe er ge-predigt, und auch jetzt noch sei er zum Beweise erbötig, es seisicherer, dem Frate kein Gehör zu leihen, als ihm zu glauben;denn dieser mache sich durch seinen Ungehorsam jedenfalls einerschweren Sünde schuldig, da er unter allen Umständen zum Ge-horsam verpflichtet sei, selbst wenn der Papst der größte Böse-