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1 (1924) Das Leben
Entstehung
Seite
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VERSCHWÖRUNG GEGEN DEN FRATE 335

der beständig ungeheure Summen verschlang. Die Stadt litt daheran fortwährender Geldnot, die durch einen empfindlichen Mangelan Arbeit und Handel noch bedenklich verschärft wurde. Siehatte ein Drittel ihres Gebietes verloren und war zu allem Unglückenoch von Pest und Hungersnot heimgesucht 65 . So waltete anallen Ecken und Enden eine dumpfe Unzufriedenheit, an dernatürlich wieder der Frate die Schuld tragen mußte 66 . Die all-gemeine Mißstimmung kam in einer Art Versc hwörung zum Aus-drucke, die von Angehörigen der vornehmsten Geschlechter ange-zettelt wurde. In Haft genommen und der Folter unterworfen,bekannten die Rädelsführer, Johann Tignano, Johann Benizi undPhilipp Corbizi, ihre Absicht sei nicht so sehr wider den Staat alsvielmehr wider den Frate und die von ihm begünstigten Bigi,sowie auf Erlangung staatlicher Vorteile gerichtet gewesen 67 .Besseren Erfolg in ihren unausgesetzten Bestrebungen zum Sturzedes Frate versprachen sich die Arrabbiaten von ihren nahen Be-ziehungen zum Mohren und zum Papste, den sie mit Beschwer-den und Klagen wider den Ferraresen überhäuften 68 . Wütendüber alles, was den Ruhm und damit auch den Einfluß des Prophe-ten erhöhte, gössen sie die volle Schale ihres Hohnes über dieKinderpredigt' und Kinderprozession aus.Weil er bei Männernvon Namen und Hirn nichts ausrichtet," spöttelten sie 60 ,so nimmter zu den Kindern seine Zuflucht und sucht sich mit Hilfe derurteilslosen Masse über Wasser zu halten." Aus Eifersucht gegenden Frate waren aber auch die verschiedenen Orden der Kinder-reform abhold; wie die Arrabbiaten mißbilligten sie die Wieder-eröffnung seiner Predigt aufs schärfste. Fast alle Kanzelrednerdes ganzen florentinischen Gebietes traten wider ihn auf und tadel-ten ihn aufs heftigste, daß er das Volk mit Pest, Hunger undKrieg ängstige, denn das bewirke, daß die Kaufleute ihre Arbeits-aufträge einstellten und das niedere Volk unter Arbeitslosigkeit zuleiden habe. Es greife aber zugleich eine Verweichlichung derGemüter Platz, die in so kriegerischen Zeiten bedenklich sei, dennwo es gelte, sich mit den Waffen zu verteidigen, sei mit Gebetenwenig gedient 70 . Ganz besonders war es der Au gustiner M eisterTregor von Perugia, Prediger in Heiliggeist, der sich den Arrabbia-ten zum Kampfe gegen den Frate zur Verfügung stellte. Er zogerst versteckt, dann immer offener wider ihn los und erklärte,wer sich dem Papste widersetze, der sei ein Ketzer und dem Kir-