Druckschrift 
1 (1924) Das Leben
Entstehung
Seite
319
Einzelbild herunterladen
 

DOMINIKUS VON PESCIA

3'9

men Eifer und in seiner heiligen Einfalt sogar dazu bereit, denvon den Gegnern unaufhörlich geforderten Wunderbeweis dafürzu erbringen, daß seine Lehre wahr, die ihre aber falsch sei. Zudiesem Behufe möge man sich in einen Friedhof begeben undTote anrufen, die schon 40 Jahre im Grabe lägen; wer danneine Antwort erhalte, dem solle man sich anschließen. Oder manmöge auf dem Platze der Signoren ein großes Feuer entzünden unddann möge jedermann durch dasselbe hindurchgehen, dem es umdie Wahrheit zu tun sei; die Anhänger des Frate wären die ersten,sich dem Gottesurteile zu unterziehen. 70 . Und nicht etwa nur diepersönlichen Freunde des Frate nahmen sich seiner an. EineNonne aus dem Kloster der heiligen Klara zu Mailand, die imRufe der Heiligkeit stand, hatte sich ihrer Versicherung gemäß aufEingebung des heiligen Geistes in Florenz eingefunden und erklärtenun, alles sei wahr, was der Frate prophezeit habe und gehe voll-ständig in Erfüllung. Nun aber wolle sie weiter nach Rom ziehenund dem Papste eröffnen, es sei Gottes Wille, daß sich die Kircheerneuere, und wenn er sich nicht bekehre und bessere, so sei erdem Untergange geweiht 80 . Auch die Einsiedler von Vallumbrosa,die sich in Florenz aufhielten, begannen nunmehr die Reform derKirche zu predigen und zu beteuern, der Frate habe wirklich dieWahrheit vorherverkündet und verdiene als echter Prophet allenGlauben, dafür wollten sie ihre Hände ins Feuer legen und mitihrem Leben einstehen 81 . Einer von ihnen, Angelus, der Sünder 82 ,richtete eine eigene Schrift an die Signorie mit der Mahnung, dieerlauchten Signoren und das florentinische Volk möchten unver-letzliche Eintracht und ewige Freundschaft mit dem Fürsten Got-tes, Karl, König von Frankreich, bewahren, der von Christuszum mächtigsten Kaiser über Griechenland und das Morgenlandbestellt sei. Überhaupt sei noch niemals ein Fürst zu einem sogewaltigen, glücklichen und göttlichen Werke, Triumphe undRuhme erkoren worden wie eben Karl, auf den sich die Aus-sprüche der Apokalypse, Kap. 18 und 19 (von der Vertilgung desfalschen Propheten und des ganzen Heidentums) und des Prophe-ten Isaias, Kapitel 34 (von der Überwältigung der Feinde Gottesund besonders Edoms) beziehen. Zwar verhehlt sich Angelusdie Stärke der türkischen und die Schwäche der französischenHeeresmacht keineswegs, aber er verweist auf Xerxes und Alexan-der und schließt mit der flehentlichen Bitte, in Karl den wahren