3 i4 VORLADUNG NACH ROM
Frieden glaubte. Der ferraresische Gesandte Pandulf Collenuccioberichtete dem Herzoge über die Unterredungen, die er in dieserAngelegenheit mit ihm gepflogen hatte 63 . Wiederholt und langehabe er mit Bruder Hieronymus, einem wahrhaft göttlichenManne, der in Person noch größer erscheine als in seinen Schrif-ten, gesprochen. Doch habe er auf die Mitteilung von den ausMailand eingetroffenen Friedensberichten hin nur ein mitleidigesLächeln gehabt und mit den Worten des Propheten erwidert:„Und ihr sollt wissen, daß ich der Herr bin. Darum, daß sie meinVolk betrogen und sprachen: ,Friede, Friede, da doch kein Friedeist.' Es baute eine Mauer und sie tünchten sie. Sprich zu denTünchern: sie wird einfallen." (Ez. 13, 9 f.)
Mitten in den leidenschaftlichen Streit um die französischePolitik fiel ein literarisches Ereignis, das weit über die engenGrenzen der Arnostadt hinaus das größte Aufsehen erregte, —das Erscheinen der von Savonarola schon in seinem Schreibenvom 31. Juli an den Papst angekündigten Schrift „Abriß derOffenbarunge n" 54 . Das Werkchen wurde von der Druk-kerei Franz Bonaccorsi zu Florenz am 15. August 1495 in italieni-scher Sprache herausgegeben und vom Volke in wie außer Florenzsofort förmlich verschlungen, so daß Lorenz Morgianni schonnach zwölf Tagen einen Neudruck veranstaltete, dem anfangsOktober wiederum bei Bonaccorsi eine Ausgabe in lateinischerSprache folgte 55 . Wie der Verfasser in der Einleitung angibt,hatte er unter göttlicher Eingebung im Laufe der Zeit zu wieder-holten Malen und in verschiedener Weise Künftiges angekündigt,aber der Mahnung des Erlösers eingedenk, das Heilige nicht denHunden und die Perlen nicht den Säuen vorzuwerfen (Matth. 7, 6),in der Mitteilung der ihm zuteil gewordenen Gesichte und Offen-barungen die größte Zurückhaltung beobachtet. Wenn er nun-mehr zur Aufzeichnung wenigstens der wichtigsten schreite, sohabe er sich hierzu durch die Erwägung gezwungen gesehen, daßviele, die seine Predigten nachschrieben, dem gesprochenen Wortemit dem Stifte nicht zu folgen vermochten und daher nur lücken-hafte Nachschriften verbreiteten, während andere hinwiederumsie absichtlich fälschten und durch Zusätze und Kürzungen will-kürlich entstellten. Da er nun nicht zugeben könne, daß die Ge-heimnisse Gottes verhöhnt und entweiht werden, so habe er sichzur Veröffentlichung des vorliegenden Abrisses seiner bisher ver-