3 i2 VORLADUNG NACH ROM
Predigtverbot, hauptsächlich die Frucht der Umtriebe der Arrab-biaten 33 , war freilich eine äußerst drückende Maßregel. DerFrate fügte sich ihr jedoch ohne Widerstreben, so hart es ihmankommen mochte. Das neue Breve vom 16. Oktober traf aberin Florenz verspätet ein; noch am 26. Oktober hatte es den Fratenicht erreicht 34 . So sprach er an drei Sonntagen, am 11., 18. und25. Oktober, von seinem Leiden zur Not wiederhergestellt, zumVolke 35 , zum größten Ärger der Arrabbiaten, aber zur Freude derPiagnonen, die in ihm die einzige Stütze und Säule der Volks-herrschaft verehrten und ihn priesen, weil er allein die Wahrheitzu sagen und für die Belange des Volkes zu stehen wagte 36 . Sobalder das Breve in Händen hatte, schwieg er; an seiner Stelle bestiegDominikus von Pescia die Kanzel 37 .
Wie gegen den Frate, so rückte der Papst auch gegen die Floren-tiner selbst mit dem schweren Geschütze kirchlicher Strafmittelein. An demselben 8. September, an welchem er das Schreibenmit den schroffen Maßregeln wider den Frate ausfertigte, erließer auch ein Breve an sie 38 und verbot ihnen unter Strafe derExkommunikation und des Interdiktes, dem französischen Königeweiteren Vorschub zu leisten. Unter Androhung des Kirchen-bannes untersagte er ebenso dem Könige jede Belästigung deritalienischen Mächte 30 , und durch einen eigenen Nuntius ließ erihn auffordern, unverweilt seine Truppen von Neapel zurück-zuziehen und binnen zehn Tagen mit seiner Armee nach Frank-reich zu verschwinden, widrigenfalls er sich persönlich vor demHeiligen Stuhle zu verantworten habe. Der König erwiderte ihmjedoch, nichts sei ihm lieber, als nach Rom zu gehen, nur dürfesich der Papst diesmal nicht wieder aus dem Staube machen 10 .Auch Ferdinand IL von Neapel, der nach dem Abzüge Karl VIII.wieder festen Fuß in seinem Reiche gefaßt hatte, beschwor dieFlorentiner, von ihrem unheilvollen Bündnisse abzustehen 41 .Gleichwohl ließen sich die Florentiner nicht einschüchtern. Sosehr sie über die wirtschaftlichen Lasten seufzten, welche derpisanische Krieg sowie die unersättliche Habsucht ihrer französi-schen Bundesgenossen ihnen auferlegten 42 , und so schmerzlich siedie politische Vereinsamung empfanden, in die sie sich durchihre französische Politik gedrängt sahen, so gaben sie diese dochum so weniger auf, als sie eben jetzt erhebliche Handelsvorrechtein Frankreich erhalten hatten, während die Genuesen, Mailänder