DIE GROSSEN UND DIE KLEINEN LILIEN
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Jungfrau in einem Gesichte enthüllt worden; dann aber habe erdie Stadt im Blütenschmucke der Lilien prangen sehen, wobeiihm die kleinen Lilien durchaus zu den großen zu passen schienen,die eben ihre Zweige auszudehnen begannen 44 .
Es war der handgreiflichste Beweis der grenzenlosen Ver-ehrung, deren sich der Frate in den weitesten Schichten erfreute,daß es ihm gelang, das Volk in der Treue zum König zu erhalten.Zu groß und zu allgemein war die Erbitterung, die Karl mitder Unersättlichkeit seiner Geldforderungen, sowie mit derSäumigkeit in der Erfüllung der von ihm eidlich beschworenenVerpflichtungen hervorgerufen hatte; und die Nachrichten vonden Bedrückungen, Erpressungen und Ausschweifungen em-pörendster Art, die sich seine Leute in Unteritalien zuschuldenkommen ließen, waren ganz dazu angetan, ihm noch den letztenRest an Sympathie zu rauben, den er sich hier und da etwanoch bewahrt hatte. Wie anderswo, so verhehlte man sich inFlorenz keineswegs, daß er im Besitze eines so stolzen Reiches dieschwerste Gefahr für die Selbständigkeit der italienischen Staatenbilde. Das it alienische Nationalge fühl war erwacht und hatteunter der Einwirkung der humanistischen Studien nachgeradeeine Stärke erlangt, daß der Gedanke, die Sprossen der einstigenReherrscher der Welt sollten die Sklaven barbarischer Eindring-linge werden, mehr und mehr als unerträglich erschien. Die Arrab-biaten, in den Fragen der inneren Politik längst ein Herz und eineSeele mit dem Herzoge von Mailand, waren es in Sachen deräußeren Politik nicht minder. Namentlich ihre Führer Johannund Lorenz de' Medici, ehemals die eifrigsten Bundesgenossendes Königs, waren nunmehr Feuer und Flamme für die Liga 45 ;denn nur wenn der italienischen Herrschaft Karls ein Endegesetzt war, konnten sie auch mit seinem Schützling, dem Frate,ein Ende machen und selbst ans Ruder gelangen. Selbstverständ-lich focht auch die große Masse der Welt- und Ordensgeistlichen,die von einer Kirchenreform nichts zu hoffen, aber alles zufürchten hatte, auf Seiten der Liga und des Papstes, der dieReform ebenso haßte. Der Franziskaner Dominikus von Ponzo,Savonarolas hitzigster Gegner in Sachen des Bohnengesetzes, tratihm auch im Streite wegen der Liga entgegen und beklagte dasVolk, das mit seiner Anhänglichkeit an den König auf dem Irr-wege 46 sei. So waren die inner- und außerpolitischen, staatlichen