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1 (1924) Das Leben
Entstehung
Seite
274
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2? 4 SAVONAROLA UND DIE KINDER

jenes, ,ich tue dir dies' und ,ich tue dir das'. Oh, was versprichter nicht alles! Der Schwefel bedeutet die schamlosen Reden; undwenn Schmeicheleien und Versprechungen nichts helfen, so mußder Gestank der Drohungen nachhelfen, und manchmal kommt esauch zur Gewalt und schließlich zur Schande, und es wird immerärger. 0, wo seid ihr heute morgen, ihr Kinder! Ihr aber,die ihr zugegen seid, begebt euch doch nie in schlechte Gesell-schaft und horcht weder auf Schmeicheleien, noch auf Ver-sprechungen und Drohungen! O Stadt Siena, wie tief bist dugesunken! Man kann ja kein Knäblein mehr über die Straßeschicken, ohne befürchten zu müssen, es gerate in üble Hände,so verkommen ist alles. O Frauen, schicket doch euere Knabennicht mehr herum, sondern laßt lieber eure«-Töchter unter dieLeute gehen, sie laufen keine Gefahr, und sollten sie wirklichentehrt werden, so ist die Gefahr und Sünde doch nicht so großwie bei den Knaben. Wenn sonst kein Ausweg ist, so ist diesnoch immer das kleinere Übel. In Paris war ein König, zu demsprach jemand, da die Stadt voll von diesem Laster war: ,Wennihr wollt, so will ich eure Stadt säubern, laßt mir nur freie Hand'!Der König gewährte sie ihm. Da ließ er an allen StraßeneckenScheiterhaufen errichten und die öffentlichen Sodomiten verbren-nen, und von da an hörte man nichts mehr von dieser Sünde."In Florenz standen die Dinge nicht besser als in Siena. Als derDominikaner Jordan von Pisa zu Beginn des 14. Jahrhunderts inFlorenz predigte, lag ihm die Ausrottung dieses furchtbaren Lastersganz besonders am Herzen.Die Schmach dieser Sünde", erklärteer 11 , als wolle er eine Erläuterung zum XIV. Gesänge der Hölleseines großen Zeitgenossen Alighieri geben,schreit zum Himmelempor und kennt in dieser Stadt keine Grenzen; es wäre fürwahrein gottesfürchtiger Kaiser vonnöten, der den Lüstlingen mit demScheiterhaufen zu Leibe rückte. Zu wiederholten Malen fand ich,daß der Vater zum Sohne sprach: ,Schaue dir selbst um einenVerdienst und sorge für Kleider und Schuhe!' Was ist das füreine Erbärmlichkeit! Man kann sie nicht genug verabscheuen."Zur Zeit Savonarolas sah es in der Stadt Dantes in dieser Hinsichtnoch immer wie in den Tagen Dantes, Jordans und Bernhardinsaus. Die Knaben und Jünglinge waren nicht nur Spieler undFlucher, sondern auch vom Laster der Sodomie bis ins Markhinein angefressen; und in ihrer weichlichen Tracht, mit ihren