DER FR ATE ALS DIEB 219
ob seiner echten Religiosität bewunderungswürdiger Mann", vomhl. Stuhle zum Fastenprediger in Florenz bestellt und beauftragtwurde, diese Stadt bis zum weißen Sonntage nicht zu verlassen 5 .Nun griffen die Arrabbiaten zu dem gemeinen Mittel der persön-lichen Verdächtigung, indem sie das Gerücht aussprengten, derbeimVolke ganz besonders verhaßte Johann von Pratovecchio habeim peinlichen Verhör gestanden, er habe seine Schätze inS. Marco versteckt 8 , wo sie denn auch wirklich gefunden wurden 7 ,so daß nun der Frate als ein Mann erschien, der Geld unterschla-gen und einer schonenden Behandlung der Medicifreunde nur ausEigennutz das Wort geredet habe. In bitterer Klage stellte er sichdem Volke in der nächsten Predigt als den Mann vor, an dem dieWandelbarkeit irdischen Ruhmes so recht mit Händen zu greifensei; gestern noch als „der Vater der Stadt" und als „der Prophet"gepriesen, sei er nun als der Dieb verschrien. Mühelos zerriß erdas ganze Lügengewebe mit der Erklärung, wie jenes Geld in seinKloster gekommen sei. In den stürmischen Tagen der Ankunftder Franzosen und Vertreibung Peters habe eben, wie sehr vieleandere Leute, so auch Johann von Pratovecchio seine Schätze inS. Marco in Sicherheit gebracht, ohne daß er sich selbst, damalsmit der Gesandtschaft an den König betraut, um die Einzelheitenhätte kümmern können 8 . Da die Arrabbiaten mit dem Vorwurfeder Bestechlichkeit beim Volke keinen Glauben fanden 9 , so setztensie gefälschte Briefe des Frate an Peter Medici in Umlauf, um dieMeinung zu erwecken, als gebe der Prediger dem GeächtetenHoffnung auf baldige Rückkehr 10 , eine Verleumdung, die derFrate ebenso leicht entlarvte 11 . Sodann versuchten sie es mit demschon von Lorenz de' Medici erprobten Mittel, den einen Predigerdurch einen anderen, den Dominikaner" durch einen auf denRuhm dieses Ordens eifersüchtigen Franziskaner aus dem Feldezu schlagen. Die Minoriten ließen sich hierzu desto bereitwilligerherbei, je weniger sie die schweren Verfolgungen vergessen hatten,die einst der Dominikaner Manfred von Vercelli dem hl. Bern-hardin von Siena durch Bestreitung seiner Rechtgläubigkeit beimhl. Stuhle bereitet hatte 12 ; auch die scharfen Angriffe waren nochin aller Gedächtniss, die noch vor wenigen Jahren Vinzenz Bän-deln gegen die von Bernhardin von Feltre gepredigte franzis-kanische Ordenslehre von der unbefleckten Empfängnis Mariensgerichtet hatte 13 . Der geborene Bestreiter des Frate wäre eben