DER FR ATE NICHT HERR DER STADT 213
von einer wirklichen Demokratie, von einer Volksherrschaft imwahren Sinne des Wortes, nicht sprechen, am allerwenigsten aberkonnte von einem Pöbehegimente die Rede sein, von dem derFrate überhaupt nie etwas wissen wollte. Viel eher ließ sich dieneue Verfassung als er weiterte Oli garchie bezeichnen, deren demo-kratische Seite im raschen Wechsel der Ämter sowie in der Ver-wendung des Loses bei ihrer Besetzung zum Ausdrucke kam. Abergerade die kurze Amtszeit beeinträchtigte die Wirksamkeit derobersten Behörden aufs schwerste. Zum Rücktritte verurteilt, ehesie noch recht begonnen hatten, ließen sie die zu einer ersprieß-lichen Amtsführung erforderliche Erfahrung und Tatkraft ver-missen, wenn sie nicht, wie es beim Sturze des Frate der Fall war,gerade aus der Rücksicht auf ihre spärliche Lebenszeit den ver-zweifelten Entschluß zur raschen Ausnützung ihrer Befugnisseschöpften. Da ihre Mitglieder das eine Mal dieser, das andere Malder entgegengesetzten Partei angehörten, so ermangelte ihre Tätig-keit der inneren Geschlossenheit und Stetigkeit, was nur insofernsein Gutes hatte, als sie dem Einflüsse mächtiger, außerhalb ihresBereiches stehender Persönlichkeiten weniger unterlagen; eineB eherrschung der Stadt durch den Fra te war, so viel man von ihrauch fabeln mag, schon angesichts des unaufhörlichen Wechselsder Signorie, die sich bald aus seinen Freunden, dann wieder ausseinen Feinden zusammensetzte, ganz ausgesch lossen. Daß dieStadt bei der Schwerfälligkeit ihrer Ämter überall da im Nachteilewar, wo es auf rasches Zugreifen und Handeln ankam undstrengste Verschwiegenheit Voraussetzung des Gelingens war, ver-stand sich von selbst; und das Übel war um so schlimmer, als dieMachtbefugnisse nicht streng umschrieben und daher Zuständig-keitstreitigkeiten unter den oberen Stellen keine Seltenheit waren.Ernsten Bedenken unterlag auch die Neuregelung des Steuer-wesens 134 , so gut sie gemeint war. Wohl ließ sich die Besteuerung,wenn sie sich, wie es übrigens auch schon früher geschehen war,auf den leicht abzuschätzenden Einkünften der liegenden Güteraufbaute, leichter und gerechter durchführen; aber das wirtschaft-liche Schwergewicht der Bürgerschaft ruhte weniger im Grundbe-sitze als in Gewerbe und Handel, deren reiche Erträgnisse so demStaatssäckel entrannen. Wiederum waren es gerade die adeligen,in den Zünften nicht vertretenen Großgrundbesitzer, die hierdurcham schwersten betroffen wurden, nicht minder aber die untersten