SAVONAROLA MAHNT (KARL VIII.) ZUM ABZUGE 189
einst die Stadt aus den Trümmern wieder aufgebaut und mit reichenSchenkungen bedacht habe, der Große heiße, so verdiene KarlVIII.,der Wiederhersteller, Hirte, Bewahrer und Verteidiger ihrer Frei-heit, der Größere und Größte, Major et Maximus, genannt zuwerden. Somit wurde im ersten Vertragsartikel bestimmt, KarlVIII.solle zum V/ftter des Vaterlandes der Florentiner, zum Beschützerund Schirmer, jum Verteidiger und Erhalter ihrer Freiheit undzum Vertreiber ihrer Tyrannen ernannt werden, wie er sich seiner-seits mit seinem königlichen Worte verpflichte, sich stets als Hortder florentinischen Freiheit und als Tyrannenverjager zu erweisen.In den weiteren Artikeln wurde vereinbart, daß Pisa, Livorno,Sarzana, Sarzanello und Pietrasanta für die Dauer dieses neapoli-tanischen Krieges in Händen des Königs bleiben, dann aber in dieGewalt der Florentiner zurückkehren sollten 56 . Die Stadt gewährtedem Könige freien Durchzug durch ihr Gebiet und 120 000 Du-katen, hob die über die Medici verhängte Acht und Einziehungder Güter wie den auf ihren Kopf gesetzten Preis auf und be-gnügte sich mit einem Stadtverweise von hundert Meilen. Endlicherhielten die Florentiner das Recht freien Aufenthaltes und Han-dels in ganz Frankreich, wo sie als Franzosen angesehen und allerVorrechte der Franzosen teilhaft sein sollten. Die Stadt selbstwurde zur Führung des französischen Wappens ermächtigt. DieserVertrag wurde am 26. November nach dem Hochamte im Domeunter dem Geläute aller Glocken von beiden Teilen in die Händedes Kardinals von Gurk feierlich beschworen.
Nachdem so alles geschlichtet war, was es zwischen Karl VIII.und Florenz zu ordnen gab, stand dem Abzüge des französischenHeeres nichts im Wege. Aber dem Könige gefiel es nur allzu gutin der Arnostadt; er machte keine Miene zum Aufbruche. Bei derungeheuren Spannung jedoch, die zwischen der einheimischenBevölkerung einer- und den fremden Truppen anderseits bestand,und angesichts der beiderseitigen Gewalttätigkeiten, die jedenAugenblick zu einem Unglücke führen konnten, bedeutete jederweitere Tag der Anwesenheit des französischen Heeres eine schwereGefahr, und wie man es vor wenigen Wochen kaum hatte erwartenkönnen, bis der König kam, so meinte man jetzt den Augenblicknicht mehr zu erleben, bis er ging. Wieder war es Savonarola, derim Auftrage" der Signorie beim Könige vermittelte. Am 26. No-vember" erschien er abermals 58 vor seinem Antlitze und hielt ihm