f4<2 DIE KONGREGATION VON S. MARCO
mit den alten Vätern weder an Weisheit noch an Heiligkeit messenkönnen, gerne verlieren. Arme Klöster bauen, sich in grobes, altesund geflicktes Gewand kleiden, der Anordnung der Heiligen gemäßim Essen und Trinken nüchtern sein, arme Zellen ohne unnützenTand bewohnen, dem Stillschweigen, der Betrachtung und Ein-samkeit leben und den vertrauten Verkehr mit der Welt meiden,das ist keine Neuerung im Ordensleben. Wohl aber ist es für denOrden der Bettelmönche eine Neuerung, Paläste mit marmorenenSäulen aufzuführen und sich Zellen einzurichten, die für großeHerren paßten, dem Ordensgelübde zuwider Besitzungen zu haben,sich eitel zu kleiden, wenig zu beten, überall herumzuschweifen,arm sein und doch nichts entbehren zu wollen. In solchen Dingenmag es jeder halten, wie es ihm gut dünkt; jedenfalls erregt unsereLebensweise hier in Florenz kein Ärgernis, gereicht vielmehr be-sonders denen zu großer Erbauung, die Augen haben und sehen.Schon vor einem Jahre kam vielen Brüdern, ohne daß einer vomanderen wußte, der Gedanke der Trennung. Die Sache ward auchnicht unüberlegt unternommen, sondern reiflich erwogen. Ich warauch nicht etwa so blind, nicht einzusehen, daß dies ein schweresWerk sei, das mir viele Feindschaften zuziehen werde. Doch nahmich meine Zuflucht zum Gebete und ließ auch in der Stadt vielbeten; und gerade im Gebete festigte sich mein Vorhaben nurum so mehr. Um mich nicht selbst zu täuschen, weihte ich zuerstdie ältesten und weisesten Väter, acht an Zahl, dann auch alleanderen Priester und Laienbrüder in mein Vorhaben ein, und alleerklärten sich ohne Ausnahme damit einverstanden. Sieben Mo-nate hindurch versammelten sich'die Brüder fünf-, sechs- bissiebenmal des Tags, um Gott zu beschwören, er möge geschehenlassen, was zu seiner Ehre und zum Heile der Seelen gereiche.Wenn nun der Erlöser im Evangelium sagt: „Wer bittet, emp-fängt 114 ", wäre es da nicht eine Gotteslästerung, anzunehmen, Gotthabe das Gegenteil von dem bewirkt, um was ihn seine Söhne,nahezu hundert von der lautersten Absicht beseelte Männer, soinständig anflehten, und sie alle dem Irrtume und Selbstbetrugeüberantwortet? Die Welt liegt gegenwärtig ganz in Finsternis, undes ist Zeit, höchste Zeit, sich zu erneuern und den Kampf mit denlauen und falschen Brüdern aufzunehmen. Das sicherste Zeichenaber, daß die Trennung das Werk Gottes war, das ist der heftige,wie es schien, unwiderstehliche Widerstand, auf den es nament-