DER NEUE CYRUS 103
andere körperliche Trübsale, die ihr zustoßen könnten. Daherward mir vom selben Geiste aufgetragen, die Völker zum Gebetezu ermahnen, Gott möge seine Furcht auf die Erde senden unddie Liebe zu ihm und das Andenken an seine Wohltaten und andas Leiden seines eingeborenen Sohnes in den Herzen erneuernund der Kirche gute Hirten und Verkündiger seines Wortes schen-ken, die seine Herde und nicht sich selbst weideten. Diese Visionvon der Hand mit dem gezückten Schwerte prägte sich den Ge-mütern unauslöschlich ein und verband sich fortan unzertrenn-lich mit dem Bilde des Frate.
Aber nicht bloß die Erneuerung der Kirche selbst, sondern auchden Herrscher, der von Gott zur Ausführung seiner Heilspläneausersehen war, sah der Prophet voraus. Auf Eingebung Gottesverkündete er 122 , es werde jemand über die Alpen ziehen, jenemCyrus vergleichbar, von dem Isaias schreibt: „Dies spricht derHerr zu Cyrus, meinem Gesalbten, den ich faßte bei seiner Rech-ten, um die Völker zu unterwerfen vor seinem Antlitze und dieKönige rücklings zu kehren, und ich will die Pforten vor ihmöffnen, und die Tore werden nicht geschlossen werden. Und ichwill vor dir herschreiten und die Herrscher der Erde demütigen, « Av
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die ehernen Pforten zerschmettern und die eisernen Riegel zer-brechen. Und ich will dir verborgene Schätze und heimlicheKleinode schenken, auf daß du wissest, daß ich der Herr bin, derdich beim Namen gerufen, der Gott Israels, um meines KnechtesJakob und Israels, meines Erwählten, willen 153 ." Der florentinischeProphet mahnte ferner, Italien möge ja nicht auf Burgen undWälle vertrauen, denn diese würden mit kleinen Äpfeln, meluzze,d. h. mit spielender Leichtigkeit genommen; Gott selbst werde diePferde der fremden Eroberer bei den Zügeln führen 124 . Er sagteüberdies den florentinischen Gewalthabern voraus, sie würden zurkritischen Zeit ihrem eigenen Vorteile entgegengesetzte Beschlüssefassen, dem schwachen und unterliegenden Teile anhängen undwie Trunkene völlig den Kopf verlieren 125 . Er prophezeite denSturz der bestehenden Regierung, daß nämlich an dem Tage, andem sich der König von Frankreich in Pisa aufhalten werde, inFlorenz eine Änderung der Herrschaft eintreten werde 128 . Er kün-dete an, daß ganz Italien umgekehrt werden solle, ohne allerdingsanzugeben, von wem, wann und wie. Er erklärte, daß den Prä-laten der Kirche und den Fürsten Italiens kein anderes Heilmittel