Druckschrift 
1 (1924) Das Leben
Entstehung
Seite
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g 8 RÜCKKEHR NACH FLORENZ

Benivieni, dem gefeierten Dichter und warmen Verehrer des Fer-raresen, den Auftrag, auf seine Kosten reichliche Almosen aus-zuteilen und bedürftigen Mädchen die erforderliche Aussteuer zugewähren. Pico, der die Familienverhältnisse Savonarolas kannteund wußte, daß seine Mutter und Geschwister mit Not und Sorgezu ringen hatten und daß seine Schwestern aus Mangel an Mit-gift nicht zur Verheiratung kamen, bot ihm zu diesem Zwecke aus, freien Stücken 400 Goldgulden an 76 . Hieronymus wies sie beharr-lich zurück, wie er auch später, als er bereits zu größtem Ein-flüsse gelangt war und namentlich bei Herzog Herkules von Fer-v rara in hohem Ansehen stand, nicht zu bewegen war, das geringstefür sie zu tun; er verschloß ihre Briefe, wie er selbst sagte 77 , imPulte und rührte keinen Finger zu ihren Gunsten, obschon es ihndoch nur ein Wort beim Herzoge gekostet hätte, um ihnen Unter-stützung zu verschaffen. Es sei, meinte er 78 , für das Seelenheilseiner Schwestern besser, wenn sie unverehelicht blieben, da siesonst in mancherlei Sünden fallen würden. Der eigentliche Grundseiner hartnäckigen Weigerung aber lag in der Rücksicht aufseinen Predigtberuf; er wollte nicht den Schatten eines Verdachtesan der Uneigennützigkeit seiner Verkündigung aufkommen las-sen 70 . Und doch konnte er es nicht verhindern, daß ihm nach-gesagt wurde, er habe den Grafen zu bewegen gesucht, ihm denganzen Betrag des für die Armen bestimmten Erlöses aus seinenBesitzungen zu überlassen 80 eine Verdächtigung, die nur eines,der mancherlei unlauteren Mittel bildete, deren sich seine Gegnerschon damals bedienten, um ihn unschädlich zu machen.

Hieronymus ließ sich nicht einschüchtern, noch in seinem festenVertrauen auf den Sieg seiner Sache beirren. Dies lehrt uns derBrief, den er eben in den Tagen seiner Fastenpredigten über Jere-mias an seinen Mitbruder Dominikus von Pescia richtete 81 ,,der zu seinen vertrautesten Freunden zählte und damals in Pisapredigte.Unsere Sache", schrieb er,schreitet glücklich voran,,denn Gott wirkte wunderbar, obschon wir heftigen Widerspruchvon seiten der Großen zu erdulden haben . .. Viele befürchtetenund manche besorgen noch jetzt, es könnte mir das Schicksal desBruders Bernhardin blühen. Gewiß war unsere Sache in dieserHinsicht nicht ohne Gefahr, doch setzte ich meine Hoffnung stetsauf den Herrn, denn ich weiß, daß das Herz des Königs in desHerrn Hand liegt, der es wendet, wohin ihm beliebt 82 . Ich ver-