Druckschrift 
1 (1924) Das Leben
Entstehung
Einzelbild herunterladen
 

IV. Kapitel.

S. MARCO. DIE ERSTE FLORENTINISCHEWIRKSAMKEIT (14821887).

Wie der hl. Franz allemJ^njrcheine nach selbst häufig in Florenzwar, so war auch Florenz die Stadt, in welche er seine ersten Sendboten schickte 1 . Erst sieben Genossen hatte er um sich versammelt,als er auch schon zwei von ihnen, darunter den, der sich ihm amfrühesten angeschlossen hatte, den jugendlichen Bernhard vonQuintavalle, beauftragte (1209), nach Florenz zu gehen, um dort,in der Stadt ewigen Haders und Hasses den Frieden und die Liebe,in der Stadt des Reichtums und Wuchers die Hoheit der freiwil-ligen Armut zu verkündigen. Zwar wurden die beiden Jünger desHeiligen von Assisi in der Arnostadt anfangs wie von den Erwach-senen, so von den Kindern verspottet und mit Kot beworfen; mandrückte ihnen Würfel in die Hand und forderte sie höhnisch zumSpiele auf. Aber die unbezwingliche Geduld, mit der die Fremd-linge alles über sich ergehen ließen, entwaffnete ihre Peiniger.Viele bekehrten sich, einige traten dem Orden bei; schon zumersten Zehn der Söhne des heiligen Franz zählten Florentiner. Baldgab es auch in Florenz selbst eine franziskanische Niederlasung, dierasch blühte und gedieh. In keiner Stadt Italiens, Assisi ausge-nommen, faßte das Franziskanertum so schnell und kräftig Wur-zel wie in Florenz 2 . Johann Parente, der zweite Ordensgeneral, warein Florentiner, von den Brüdern erwählt, um dem von BruderElias ausgehenden Abfalle vom Geiste des heiligen Franz zu steu-ern. Allein die Verweltlichung, die im Orden mehr und mehr ein-riß, machte sich auch in Florenz bemerklich. Die prunkvolleKirche, die sich in Heiligkreuz erhob, würdig, den größten Söhnender Stadt als letzte Ruhestätte zu dienen, legte beredtes Zeugnis vonder Wandlung des Sinnes ab, die sich im Schöße der florentini-schen Minoriten vollzogen hatte und nur ein Stück der Wandlungim großen war, die im ganzen Orden vor sich ging. Als dann spä-

5