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1 (1924) Das Leben
Entstehung
Seite
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DIE ZEIT LORENZOS 4g

waren, vollends unschädlich zu machen. Glück und Unglück einerjeden angesehenen Familie hing von ihrer Stellung zu Lorenzound von der Gunst ab, die er ihr erwies. Keine Ehe konnte ge-schlossen werden, die ihm bedenklich erschien. Hatte schon Co-simo die Staatskasse von seiner eigenen nicht immer strenge ge-schieden, so nahm Lorenzo um so weniger Anstand, Gemeinde-gelder für sich zu verwenden, je mehr das Bank- und Handels-geschäft der Medici unter seiner Leitung zurückging. Der gefähr-liche Krieg, in den er sich mit Sixtus IV. verwickelt sah, zog ihmnicht bloß den Verlust seiner einträglichen Bankgeschäfte mit demHeiligen Stuhle, sondern auch eine schwere Erschütterung seinerGeltung in der Handelswelt zu. Zum Unglücke brachen auch nochseine Londoner und Brügger Geschäftshäuser zusammen und ver-ursachten ihm riesige Verluste. Überdies ward die Lyoner Nieder-lassung durch den Tod Ludwigs XI. aufs schwerste betroffen.Dazu kam, daß seine Vettern Lorenz und Johann, die EnkelLorenzens, des Bruders Cosimos, deren Vermögen in seinem Ge-schäfte steckte, anläßlich ihrer Großjährigkeit ihren Anteil zurück-forderten und seine Geldkraft erheblich schwächten. So standLorenzo wiederholt vor dem wirtschaftlichen Zusammenbruche,vor dem er sich nur durch wiederholte starke Eingriffe in denStaatssäckel rettete 21 . Sogar den Monte di Doti, die Sparkasse,aus welcher die Mitgift armer Bürgerstöchter bestritten wurde,griff er an und trieb hierdurch so manches Mädchen, das ob seinerMittellosigkeit nicht zur Versorgung kam, dem Laster in die Arme.Dies zog ihm die übelsten Nachreden und die heftigsten Verwün-schungen zu, und auch die scheußliche Plünderung, die er überdas aufständische Volterra verhängte (1472), nur weil es sich derAusbeutung der der Stadt gehörigen Alaunwerke widersetzte 22 ,warf einen dunklen Schatten auf den Glanz seines Namens. Frei-lich schien dies alles vergessen, als ihm die Sonne des Glückeswieder leuchtete. Es gelang ihm, Sixtus IV. zu versöhnen, der zu-letzt wieder große Vorschüsse von ihm nahm. Innozenz VIIL, ineinen Krieg mit Neapel, den sogenannten Baronenkrieg, verstrickt,sah sich in seinen ständigen Geldverlegenheiten erst recht aufLorenzo angewiesen, dessen Tochter Magdalena er mit seinemnatürlichen Sohne Franceschetto Cybo vermählte, während erdem Zweitältesten Sohne Lorenzos, dem kaum vierzehnjährigen

4 Schnitzer, Savonarola