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1 (1924) Das Leben
Entstehung
Seite
37
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LOBGESANG AUF DIE SEL. KATHARINA V. BOLOGNA 37

Lehre von der unbefleckten Empfängnis Mariens als schwer sünd-hafte Ketzerei ein Unterfangen, das um so größeres Aufsehenerregte, als in Sixtus IV. ein Franziskaner auf dem Heiligen Stuhlesaß. Sixtus IV. zögerte nicht, eine Bulle zu erlassen, worin er denPredigern und Theologen, die eine solche Behauptung aufzustellenwagten, seinen Tadel aussprach und erklärte, daß künftighin imGegenteil sie selbst, wenn sie diese Behauptung noch länger fest-zuhalten sich erdreisteten, dem Kirchenbanne verfallen sein soll-ten 90 . Gleichwohl ließ sich Bandelli nicht einschüchtern. Im Ok-tober 1484 verteidigte er seine These auf dem Generalkapitel seinesOrdens in Gegenwart des neuen Papstes Inozenz VIII. so glänzend,daß ihm dieser aus Bewunderung für seine Gelehrsamkeit eigen-händig den Lorbeerkranz des Doktorats aufs Haupt setzte. Leich-ter und ungefährlicher war der Triumph, den Bandelli in demRedeturnier errang, das er in Anwesenheit Ludwig Sforzas vor»Mailand wider die Juden bestand. Ein treuer Jünger des heiligenThomas von Aquin war wie Bandelli auch sein Ordens- und Amts-genosse Thomas von Brixen, der während seiner Lehrtätigkeit zuBologna die Auferstehung Christi einmal in einer Weise verherr-lichte, daß man nach Jahrzehnten noch davon sprach 91 . Als vor-züglicher Prediger glänzte sodann Nikolaus von Pisa, ein weitererLehrer Savonarolas, Verfasser einer Auslegung des Psalms (50)Miserere" sowie des Vaterunsers 92 .

Wann Savonarola die Priesterweihe empfing und seine ersteMesse feierte, wissen wir nicht. Wir dürfen aber vermuten, daßes während seiner theologischen Studienjahre 93 geschah, da er daserforderliche Alter sowie das soeben noch vom Generalkapitel zuPerugia 1478 geforderte Maß von Wissen längst besaß. DenselbenJahren, 14761479, gehört wohl auch der Lobgesang auf die seligeKatharina von Bologna an, der sich unter seinen Gedichten findet.Katharina de Vigri, 1413 zu Bologna als Tochter vornehmer undvermöglicher Eltern geboren, hatte sich in ihrer Jugend einer Ge-nossenschaft von Jungfrauen angeschlossen, die zu Ferrara nachder Regel des Dritten Ordens des heiligen Franz lebte und denGrund zum Kloster vom heiligsten Sakramente mit den feierlichenGelübden der heiligen Klara legte. Schweren Herzens entschloßsich Katharina 1457, mit mehreren Mitschwestern nach Bolognaüberzusiedeln, wo ein neues Kloster derselben Regel erstehen sollte,als dessen erste Äbtissin sie am 9. März 1463 starb 94 . Obschon ihr