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1 (1924) Das Leben
Entstehung
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DER HL. DOMINIKUS UND SEINE URSPRÜNGLICHE REGEL 2 ;>

und Nutznießer des reichen Klostergutes tatsächlich aufgehobenund jener beklagenswerten Verweltlichung Tür und Tor geöffnetwurde, die den Gläubigen zu so großem Anstoße gereichte. Ebenim Gegensatze zur bisherigen Armutsauffassung hatte wie derheilige Franz so der heilige Dominikus seinen Jüngern den Ver-zicht nicht bloß auf alles persönliche, sondern auch auf alles ge-meinsame Eigentum und Einkommen zur heiligen Pflicht ge-macht 8 ; hierin sollte die besondere Eigenart seiner Stiftung inStücken der Armut dem alten Mönchswesen gegenüber gelegensein 0 . Auf dem Generalkapitel zu Bologna 1220 drang er strengedarauf, daß die Brüder keinerlei festes Eigentum oder Einkommenhaben sollten, und noch auf dem Sterbebette bedrohte er eineralten Überlieferung gemäß jed^en mit dem Fluche Gottes und seinemeigenen, der sich unterstehen würde, im Orden Besitz einzu-führen 10 . Das ärmste, entsagungsvollste Leben war den Brüdernvon den ältesten Satzungen zur Pflicht gemacht. Vom Feste derKreuzerhöhung (14. September) bis Ostern sollten sie sich, dieSonn- und Festtage ausgenommen, mit einmaliger Sättigung desTages begnügen, auf den Genuß von Fleischspeisen für immer,von Krankheitsfällen abgefehen, verzichten. Sie durften keinKleidungsstück aus Linnen am Leibe tragen, aus grober Wollesollte ihr Ordensgewand, aus einem Strohsacke ihr nächtlichesLager bestehen. Niedrige, alles äußeren Prunkes bare Gebäudesollten ihre Behausungen bilden. Beim Anblicke eines neuenKlosterbaues war der heilige Dominikus eines Tages tief betrübt,weil er die Zellen um eine Elle zu hoch befand.Wollt ihr denn",rief er seinen Brüdern entrüstet zu,jetzt schon die Armut ver-lassen und Paläste bauen?" In ihrer schlichten Armut sollte derschönste Schmuck der Ordenskirchen liegen, alles Gepränge anLeuchtern, Statuen, Bildnissen, priesterlichen Gewändern und Al-tären sollte verbannt und Gold und Silber nur für die Kelche zu-lässig sein 11 .

Allein so wenig wie im Orden des heiligen Franz vermochtensich die strengen Forderungen des Stifters bei den Predigerbrüdernauf die Länge zu behaupten. Nur allzubald ergriff sie der Geistder Lauheit und der Verweichlichung. Je höher die Verehrungwar, die ihnen von den Gläubigen entgegengebracht wurde, destoreichlicher und verlockender waren die Geschenke, die ihnen vonallen Seiten zuflössen. Mehr und mehr erlagen sie der Versuchung,