24 DER EINTRITT INS KLOSTER
erwiderte er: „Der Herr, der das Beginnen gab, gebe auch dasVollenden!" Nun legten die Bewerber ihre weltlichen Kleider ab,um aus der Hand des Priors das weiße Gewand des heiligen Domi-nikus samt Skapulier und Kapuze von gleicher Farbe nebstschwarzem Mantel entgegenzunehmen 6 . Savonarola empfing es amdritten Tage nach seiner Ankunft, am 27. April 1475, von Georgvon Vercelli, dem damaligen Klosteroberen, dem er zugleich dengeringen Geldbetrag aushändigte, den er bei sich hatte 7 . Seltenbrachte jemand so unentweihte Glieder, eine so reine Seele undeine so fleckenlose Jugend ins Kloster mit. Selten nahm jemanddas Ordenskleid mit solcher Inbrunst entgegen.
Der Orden befand sich damals ebenso wie der des heiligen Franzin einem Zustande gefährlicher innerer Gärung. Zu einer Zeit, dadie Kirche die leichte Beute der albingensischen Bewegung zuwerden drohte, die bei der allgemeinen Erbitterung der Gläubigenüber die Verweltlichung der Kirche und besonders auch desMönchtums immer weiter um sich griff, hatten Franz und Domi-nikus eine Verjüngung der Kirche durch Erneuerung des christ-lichen Lebens im Geiste der Armut und Selbstverleugnung er-strebt. Dominikus hatte eine Genossenschaft von Predigern zugründen beabsichtigt, welche das christliche Volk durch gediegeneUnterweisung in den Grundwahrheiten des Christentums sowiedurch das leuchtende Beispiel eines apostolischen Wandels vorden verführerischen Lehren der Ketzer zu bewahren vermöchten.Darum sollten sich seine Söhne mit der christlichen Heilswahrheitdurch fleißige Lesung der Heiligen Schrift und Väter vor allem selbstvertraut machen, doch sollten ihre Studien stets im Dienste der Seel-sorge und der ihr gewidmeten Predigt stehen, immer nur Mittel zumZwecke, nie aber Selbstzweck sein. Und dasselbe sollte von derArmut gelten. Nach dem Willen des Stifters sollten seine Söhneeinen Bettelorden bilden, durch Einsammeln von Almosensollten sie ihren Lebensunterhalt fristen, um aller irdischen Sorgebar nur der einen großen Aufgabe zu leben, der Predigt und demHeile der unsterblichen Seelen. Wohl hatten sich auch schon diealten Orden durch feierliches Gelübde zur Armut verpflichtet. Siehatten darunter aber nur persönliche Armut verstanden undkein Bedenken getragen, den klösterlichen Verbänden als solchenBesitzungen und Einkünfte aller Art zu gestatten, durch welchedie persönliche Armut der einzelnen Mönche als der Mitinhaber