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1 (1924) Das Leben
Entstehung
Seite
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SIXTUS IV. UND SEIN NEFFE PETER MARIO 17

seine zahlreiche Bedientenschar prangte in Scharlach und Seide.Statt das Kleid des heiligen Franz zu tragen, stolzierte er in seinemHause in goldstrotzenden Gewändern einher. Teresa, seine Geliebte,war vom Scheitel bis zur Fußsohle mit echten Perlen übersät. Inganz schamloser Weise sprach er aller Sittlichkeit Hohn 91 . AlsEleo-nora von Aragon, die Tochter des Königs Ferrante von Neapel, imSommer 1473 als Gemahlin des Herzogs Herkules I., der 1471 aufBorso gefolgt war, ihren Einzug in Ferrara hielt, da wußten dieFerraresen, die sie in Neapel abgeholt und auf ihrem Brautzuge indie neue Heimat geleitet hatten, nicht Wunderdinge genug von dem.märchenhaften Empfange zu erzählen, den ihr der Kardinal Riarioin Rom bereitet hatte. Das Festmahl, das er ihr zu Ehren amPfingstmontage veranstaltete, erinnertedurch seine geradezuwahnsinnige Verschwendung an die heidnisch-römische Kaiser-zeit 92 ". Es währte sechs volle Stunden und war durch Darstellun-gen aus der heidnischen Mythologie verherrlicht. Da wurde derTriumph der Venus gefeiert, die auf einem Wagen von Schwänengezogen wurde. Dann trat ein Jüngling auf, der auf Geheiß desGöttervaters herniedergestiegen zu sein erklärte, um den Gästendie frohe Botschaft zu verkünden, daß Jupiter selbst an ihremTische sitze. Antike Heroen führten einen Tanz mit ihren Geliebtenauf, Bacchus sowie Andromeda erschienen es war das nackteHeidentum, das hier seine Orgien feierte. Alles dies geschah unterden Augen des Papstes und wäre ohne seine Einwilligung nichtdenkbar gewesen. Schon Eleonoras Ehe mit Herkules selbst mußtebei strenge denkenden Christen Anstoß erregen. Denn sie war nurunter Bruch eines früheren Eheversprechens möglich", das die Prin-zessin mit dem Herzoge von Bari verband, ein Bruch, der durchpäpstliche Dispens den Segen der Kirche erhielt 93 . Und auch Her-kules konnte die Herrschaft über Ferrara erst übernehmen, nach-dem er sich, wieder mit päpstlicher Zustimmung, über die An-sprüche hinweggesetzt hatte, die Nikolaus, der Sohn Lionellos,erhob, der von seinem Vater längst zur Nachfolge bestimmt war 94 .So erschien der Heilige Vater als der Mitschuldige an all den Fre-veln, die sich zum Ärgernisse der Christenheit zutrugen; ja er warselbst Gegenstand der entsetzlichsten Gerüchte, die ihn unnatür-licher Ausschweifungen bezichtigten 95 . Es mag dahingestellt blei-ben, was an diesen Anklagen Wahres war; die Tatsache an sichschon, daß der Papst mit solchen schmutzigen Dingen in Verbin-

2 Schnitzer, Savonarola