Druckschrift 
1 (1924) Das Leben
Entstehung
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. HIERONYMUS STUDENT DER MEDIZIN ry

Wie für philosophische, so hegte er für naturwissenschaftlicheDinge von Jugend auf eine besondere Vorliebe 66 , wovon noch inseinen Predigten zahlreiche gelegentliche Bemerkungen Zeugnisablegen. Wie seiner eigenen Erklärung gemäß jedermann seineBeispiele am liebsten seinem Gewerbe entlehnt 67 , s"o bediente er sichgerne der Vergleiche aus der medizinischen Wissenschaft undWirk-samkeit und sprach gerne und mit unverkennbarer Wärme von derTätigkeit des Arztes, die er mit der eines Lehrers und Predigers,der idealsten, die er kannte, verglich. Mit medizinischen Fachaus-drücken ließ er sich über den Verdauungsprozeß aus, über die Zeu-gung und die Bildung der Leibesfrucht, über den kranken Leib unddas gesunde Herz, über die Zubereitung undWirkung der Arzneien,über den Arzt und den Apotheker, über den Rhabarber und die Ge-würze, die man zu gewissen Zwecken verwendete, und berief sichwiederholt auf die Regeln und Übung der ärztlichen Kunst 68 . DerGedanke, die Welt zu verlassen und sich dem Ordensleben zu wid-men, lag ihm damals noch fern; ja er verschwor dies förmlich undversicherte tausendmal, niemals wolle er Mönch werden 00 . Er lerntedas Lautenspiel und hatte an der toskanischen Dichtkunst seineFreude, in der er sich auch selbst versuchte 70 . Der berückendeWohllaut der Verse Petrarcas berauschte auch ihn; seine eigenenersten Dichtungen standen sichtlich unter ihrem Einflüsse 71 . Dieweiche, träumerische Gemütsverfassung, die ihn eine Zeitlang be-herrschte, hing wohl mit einem Ereignisse zusammen, das, hätte esden gewünschten Verlauf genommen, seinem ganzen Leben eineandere Richtung gewiesen hätte. DieJLiebe war in sein junges Herzeingezogen. Sein väterliches Haus stieß an den Palast Strozzi,worin Angehörige des florentinischen Geschlechts dieses Namens,aus ihrer Vaterstadt verbannt, eine neue Heimat gefunden hatten.Robert Strozzi besaß eine natürliche Tochter Laodamia; sie hattees dem jungen Mediziner angetan. Eitlem Liebesgetändel abhold,und schon als Jüngling gewohnt, alles ernst zu nehmen, richtete ereines Tages an das Mädchen die Frage, ob es geneigt wäre, ihm dieHand zum Lebensbunde zu reichen?Wie, du bildest dir ein, dasvornehme Blut und Geschlecht Strozzi lasse sich zu einer Verbin-dung mit dem Hause Savonarola herab?", erwiderte sie hochmütig-dumm, uneingedenk der Schande ihrer ehebrecherischen Geburt.Da wallte in ihm das heiße Blut seiner soldatischen Ahnen auf,unwillig gab er zur Antwort:Und du, dünkt es dich ziemlich, daß