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VORWORT.
Die Geschicke des großen Dominikaners, der mit heldenhafterBekennerkraft einer Welt von Widerständen zum Trotze für dieErneuerung der Kirche stritt, erregten schon bei seinen Lebzeitendie Bewunderung der Gläubigen nicht nur in Italien, sondernauch in Deutschland; schon bei seinen Lebzeiten fochten auchDeutsche in den Reihen seiner Freunde und Feinde. Daß mansich im Lande der Reformation auch fernerhin von dem Mannegefesselt fühlte, der nun einmal — ob mit Recht oder Unrecht,bleibe vorerst dahingestellt — als Vorläufer und Bahnbrecher derReformation galt, versteht sich von selbst. Gleichwohl erschienin Deutschland seit A. G. Rudelbach (1835) und Fr. Karl Meier(1836), also seit beinahe einem Jahrhunderte, keine wissenschaft-liche Monographie über Savonarola. Man glaubte sich mit diesenBüchern um so mehr begnügen zu können, je mehr sie dem weitverbreiteten Vorurteile von einer protestantisierenden Richtungdes berühmten Ferraresen entgegenkamen; dann aber wurden siedurch die glänzende, von Moritz Berduschek ins Deutsche über-setzte Biographie in den Hintergrund gedrängt, die dem Oberenvon S. Marco von Pasquale Villari gewidmet wurde und, 1887 inzweiter, vermehrter Auflage ausgegeben, auch in Deutschlandwarme Anerkennung erntete. So unvergänglich nun auch die Ver-dienste des gefeierten italienischen Historikers um die Savonarola-forschung sind, so blieb diese doch in den Jahrzehnten, die seit-her verstrichen, nicht stehen, und so dürfte es wohl an der Zeitsein, die Untersuchung wieder aufzunehmen und an der Handdes inzwischen massenhaft angewachsenen neues Stoffes fortzu-führen. Wenn dies gerade von deutscher Seite geschieht, so magdies in dem Umstände seine Erklärung finden, daß der floren-tinische Prophet eben von deutscher Seite Gegenstand einer Beur-teilung wurde, die in Italien nicht mit Unrecht vielfach anstieß,aber auch in Deutschland entschieden bestritten wurde und jeden-falls nicht das letzte deutsche Wort in dieser Angelegenheitbleiben darf.
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