Kis, eines reichen und angesehnen Viehbesitzers, Sohn, durch Gestalt, Schön-heit und Bildung vortheilhaft über alle Hebräer emporragend, ward von Samuelals derjenige bezeichnet, welchen Jehovah zum Beherrscher seines auserlesenenVolkes erkoren habe. Nachdem der Priester mit dem zukünftigen Könige dienöthige Absprache getroffen, und vermuthlich ein Concordat zu Gunsten derklerikalen Parthei abgeschlossen hatte, salbte er ihn heimlich und veranstaltetedarauf eine öffentliche Lotterie, aus welcher Saul durch höhere Fügung alsder von Gott geschenkte Gebieter hervorging; seiner eignen Familie verschwiegSaul den wahren Hergang sehr wohl, denn als ihn sein Vetter fragte, waser denn doch eigentlich mit Samuel besprochen, erwiderte der Gesalbte ganznaiv: „Samuel zeigte mir an, daß unsere Eselinnen wiedergefunden seien;und der biblische Geschichtsschreiber fügt noch hinzu: „Vom Königreiche aber sagteer nichts!“ 1 Sam. 10, 16.Unmittelbar nach seiner Thronbesteigung zeigte Saul der Priesterkastegegenüber, der er Gehorsam gelobt, große Geschmeidigkeit; aber lange vermochteein solcher Charakter, wie der des Königs, das schmachvolle Joch nicht zutragen, denn das Gefühl der Würde und persönlichen Tüchtigkeit empört sichgegen die Ansprüche, welche der Jesuitismus in seinem Interesse sich vorbehält.Gleich nach dem ersten Siege über die Ammoniter begann Saul wegen derabgeschlossenen Conventionen verdrießlich zu werden, was Samuel nicht sobaldmerkte, als er sogleich das ganze Uhrwerk seines intriguanten Kopfes aufzog.Der König hatte einen neuen Feldzug gegen die Philister unternommen undmußte dem Propheten, der ihn keinen neuen Sieg feiern zu lassen gedachte,geloben, nicht eher zum Angriff zu schreiten, bis die üblichen Opfer dargebrachtseien. Nun ließ aber Samuel ungebührlich auf sich warten, und da der Kriegs-herr die Schlacht nicht länger aufschieben zu dürfen glaubte, weil seine Streit-kräfte auseinander zu gehen drohten, so brachte er selbst, der Gesalbte desHerrn, die Brandopfer dar, damit die Krieger an der Rauchsäule ihr Sieges-bewußtsein beleben möchten. Samuel aber, trotz der freundschaftlichsten undgegründetsten Entschuldigungen Sauls, wollte diesen Eingriff in seine priester-lichen Rechte nicht vergeben, kündigte vielmehr racheschnaubend seinem Königeden Verlust der Krone an. Es unterliegt keinem Zweifel, daß das Regier-ungssystem des ersten Königs von Israel darauf berechnet war, den Staatallmählich dem verderblichen Einfluße des damaligen Jesuitenthums zu entwinden.Mit seiner gesunden Einsicht in die bestehenden Verhältnisse, die ihn umgaben,erkannte Saul im ganzen Priesterthum den gewaltigsten Hemmschuh der ge-sammten Cultur seines Volkes, und weil ihm die indirekte Levitenherrschaft,welche ihn, den König, als Strohmann zu verwenden gedachte, als das größteUnglück erschien, als der größte Feind segensreicher Entwickelung rein mensch-licher Prinzipien, philantropischer Institutionen und wahrer Wissenschaft, dienur auf freiem Boden gedeiht, — weil er im Pfaffenthum seiner Zeit den
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David, ein Mann nach dem Herzen Gottes : eine biblische Studie
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