Druckschrift 
1 (1892) Texte
Entstehung
Seite
XXXV
Einzelbild herunterladen
 

VOItREDE Zl'U ZWEITEN AUSGABE XXXV

eine consequentere durchführung des hochdeutschen t für d, das siefreilich langst besessen, der schon in einem großen teile Süddeutschlandsund im gebrauch des reichs /»ersehenden spräche gleichgestellt, durchLuther und die reformation emporgehoben ward sie im sechszehntenJahrhundert die maßgebende spräche, die die reichssprache in sich auf-nahm und bis in den an fang des XVII jh., wo noch Felix Platter inBasel alemannisch (Weinhold s. 55) und Neocorus in Ditmarschen nieder-deutsch schrieben, die dialekle und muniarten überall ans der litteraturund dem schriftgebrauch verdrängte, wir besitzen seitdem eine xotvrj,ein gemeines hochdeutsch, das von den volksmundarten fast in jederlaudschaft gleichweit absteht und mundartliche einmischung nur in ein-zelnen ausdrücken gestattet, die entwickhing, die im VII1/IX jh. be-gonnen, ist damit zum ziele gelangt, aber nur indem sie dahin zurück-kehrte, ico sie zuerst ansetzte, zu einem der mittleren dialekte, einerfortsetzung des fränkischen, der mit all seinen niederdeutschen bestand-teilen in die neue spräche aufgieng und nun mit recht auch über dasniederdeutsche die überhand gewann, wie im Staat, in religion, Wissen-schaft und kunst, so geht auch in der spräche das einheitliche lebender nation von dem. gewalligen manne aus, der zuerst ihre verschie-denen stamme zusammenfasste, ihre geschichte an die der alten weitanknüpfte und sie so in eine bahn wies, deren letztes Stadium noch zu^.durchlaufen ist.

Dass auf dem wege, den wir für den Talian und andre stücke einge-schlagen, sich noch manches für die geschichte. unserer ältesten litteraturund spräche gewinnen lässt, ist keine frage, die mundart des Helands xxxiin London und des Heliands in München sowie anderer nieder-deutscher denkmäler harrt noch immer der urkundlichen feststellungihrer heimat. nicht minder fordert Scherers Vermutung über die altenSangaller arbeiten (s. 519) zu einer prüfnng heraus und der kürzlicherschienene erste teil der Sangaller Urkunden bietet dafür das erforder-liche material. was mir schon bei der ersten bekanntschaft daran auf-fiel, wird jetzt keinem aufmerksamen entgehen, auch der reichtum derFreisinger Urkunden, in denen mir neben den fuldischen zuerst (nord-albingische sludien 1843/44 1, 11 ff. 210 ff.) die pracht der deutschenHamen verlockend entgegentrat, reizt z%i erneuerter betrachtung, schonwegen s. 505. 511. aber ich will einer geschichte der althochdeutschenlitteratur und spräche, für die unsere arbeit einige vorarbeiten liefertund den weg hinlänglich bezeichnet, nicht weiter vorgreifen, nur er-gibt sich für jene schon jetzt die merkwürdige tatsache, dass aus Ale-mannien kaum ein zusammenhangender deutscher satz aus dem achtenund früheren neunten jh. vorliegt, es sei denn, dass man die Baslerreeepte (LX1I), das eine mit allerlei spuren des niederdeutschen, dasandre halbangelsächsisch, und das Sangaller paternoster und credo (LVI1),das sich kaum, von einer intcrlinearversion unterscheidet, für besonderealemannische stilproben gelten lässt. es kam hier zunächst darauf an,sich nur das notdürftigste Verständnis des laleins zu verschaffen; daher