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priester ein Bösewicht; der Dichter müsse ihm daher eine andereBezeichnung geben; die Worte „Pfäff" und „Erzpfaff" fielen dannvon selbst weg. Die Verklärung einer in den Himmel aufgenommenenSeele sei auf der Bühne überhaupt nicht darstellbar. Marterszenen,wie Werner sie gebe, dürften so nicht bis zum Grausen geschildertwerden. Außerdem monierte der Erzbischof noch etliche unsittlicheÄußerungen in diesem neuesten Werk seines Schützlings. Auf-geführt wurde das Werk auch nach Beseitigung der erzbischöflichenBedenken nicht, denn 1817 kehrte die Wiener Zensur wieder zuder Praxis zurück, die sie früher geübt und von der man im letztenJahrzehnt abgekommen war: biblische Dramen wurden ein für alle-mal verboten. Passions- und Schauspiele aus der Heiligengeschichte,die man zu sensationellen Schaustücken aufzuputzen pflegte, hattenin Wien großen Zulauf gehabt; infolge dieses Generalverbotesmachte das Theater an der Wien Bankerott. —
Zweier Zensurstriche in Briefen Werners ist schließlich noch zuerwähnen. Sogleich nach dem Tode des Dichters veröffentlichtedessen Freund, Kriminalrat Julius Eduard Hitzig, einen anonymen„Lelens-Abriss F. L. Z. Werners" (Berlin bei Sander, 1823) unddruckte darin viele Briefe Werners ab. Zwei Stellen darin verbot derBerliner Zensor, S. 95 und S. 96t. Hitzig ersetzte die Lücken durchGedankenstriche, fügte aber beide Male die Bemerkung hinzu: „(Vonder Censur gestrichene Stelle)." Das war damals noch erlaubt. Denvollständigen Wortlaut dieser Briefe bietet die Neuausgabe desWernerschen Briefwechsels von Floeck (II. 303 und 306f.).
[Benutzte Akten: Preußisches Geh. Staatsarchiv Rep. IX F 2a,1 Fase. 21; Rep. 84 XII Dep. I, Nr. 1; Rep. 89, 18 B fol. n8f.und B I 88; Minutenband 1806 II; Rep. 89 H Gen. XXI 2 i vol. I.—■ Wien Staatsarchiv, Polizeikorr. Fase. 79, Konv. 2. —■ Akten derBerliner Generalintendanz Nr. 166. — „Briefe des Dichters Lud-wig Zacharias Werner" hrsg. von Oswald Floeck. München, 1914(sorgfältiges Register; verwechselt übrigens den Schriftsteller Juliusv. Voß mit dem Minister). — Karl Glossy im „Grillparzer-Jahr-buch" XXV, 188 f., 208 f., 240 f., 311 und 317. — E. W. Weber,„Zur Geschichte des Weimarischen Theaters". Weimar 1865, S. 252bis 254, 269t. — Ludwig Geiger, „Eine Erinnerung an die Feier desReformationsfestes in Berlin 1817" (nach den Akten des Kultusmini-steriums Univ. XII Nr. 1, vol. II, Rep. 76 V. Sekt. II) in der „Sonn-tagsbeilage Nr. 44 zur Vossischen Zeitung" Nr. 513 vom 1. No-vember 1903. — Jonas Fränkel, „Zacharias Werners Weihe derKraft. Eine Studie zur Technik des Dramas". Hamburg und Leip-zig, 1904.]