ADAMUS, FRANZ (FERDINAND BRONNER, geb. 1867).
Ein Drama ist deshalb noch nicht schlecht, weil die Polizei es ver-bietet, aber ebensowenig ein Meisterstück, weil der Zensor ihm mithocherhobener Hand den Weg zur Bühne verwehrt. Ein Polizei-verbot ist auch nicht immer eine Empfehlung oder eine Garantie desErfolgs, aber es trübt für eine Weile das allgemeine Urteil, es regtFurcht und Mitleid auf, es reizt zur Übertreibung in Lob und Tadel;es stößt manches hinaus ins pralle Sonnenlicht, was im weitenSchattenbereich der Literatur ein harmlos-friedliches Dasein gefristethätte. Schon die Enttäuschung bei Freunden und Gegnern, die ge-wöhnlich das Ende vom Liede ist, verursacht manchen Justizmord,dessen Revision in der Literatur ebenso schwierig ist wie im bürger-lichen Leben. Ist schon ein Erfolg oft ein Danaergeschenk, denn erverpflichtet den Gebenden und peitscht die Erwartung des Nehmendenzu tyrannischer Willkür — der bitterste Dichterlorbeer ist der Ein-tagsruhm, den der Zufall einer Zensorlaune geschaffen hat, und dieseFeuerprobe zu bestehen ist nicht jedermanns Sache.
Dieser Feuerprobe war ein Drama nicht gewachsen, von demgleichwohl hier die Rede sein darf, wo die Erinnerung an so manchegrimmige Schlacht zwischen den Ghibellinen der Literatur und denGuelfen des Staates festgehalten wird. Im Jahre 1899 erschien beiAlbert Langen in München eine soziale Tragödie „Familie WawrocK'von Franz Adamus; unter dem Pseudonym verbarg sich ein öster-reichischer Schulmann Ferdinand Bronner, der ganz solide überGoethes „Römische Elegien" gearbeitet hatte, auch schon als Lyriker,,Aus Zeit und Ewigkeit" (1893) aufgetreten war. Ernst v. Wolzogenhatte dem Stück des nicht mehr grünen Anfängers ein Geleitwortmit auf den Weg gegeben. Der Dichter des „Lumpengesindels" warkein übler Pate, und ein Oberlehrerdrama herkömmlicher Art war„Familie Wawroch" gewiß nicht; Gustav Freytags „Technik desDramas" hatte nicht an seiner Wiege gestanden. Man konnte höch-stens von einem wildgewordenen Schulmeister sprechen, der geraden