Druckschrift 
2,2 (1903)
Entstehung
Seite
1371
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Nachtrag: Hospitalschiffe. 1371

nommen. In jedem Krankenraum befindet sich ein grosser, steinernerWaschtrog und eine mittschiffs fest eingebaute Badewanne zu der eineLeitung für kaltes und warmes Wasser führt. Die Wanne wird durcheinen rund um dieselbe laufenden Vorhang verdeckt. Jeder Kranken-raum enthält eine Eiskiste. Die nothwendige Wäsche ist in kleinenKammern untergebracht, die neben jedem Krankenraum in der Bordwandeingebaut sind. Ebenda sind auch die Schlafstellen der die Aufsichtführenden Pfleger angebracht. Die Beleuchtung ist im ganzen Schiff eineelektrische. An der Bordwand befinden sich elektrische Flügelventila-toren, die durch Kugelgelenke auf die einzelnen Betten gerichtet werdenkönnen.

Der Operationsraum befindet sich neben dem unteren achterenRrankenraum, ist mit Fliesen belegt und hat 3 grosse Fenster und eineDoppelthür. Er enthält 2 eiserne Operationstische, für jeden einen trag-baren Beleuchtungsreflektor mit 6 Glühlampen, einen Flügelventilatorund je einen kleineren drehbaren Tisch mit 3 verschieden gefärbtenGlasschalen für antiseptische Lösungen. An der Längsbordwand be-fanden sich in Schränken mit Glasthüren die metallenen, vernickeltenInstrumente und die Verbandstoffe. Ein Sterilisationsapparat fehlte eben-sowenig wie eine fahrbare Krankentrage.

Die Apotheke war verhältnissmässig klein und enthielt wenig Medi-kamente, von denen aber ein grosser Vorrath im Depot vorhanden war.Dagegen war ein bakteriologisches Laboratorium geräumig und gut aus-gestattet, ein Raum für photographische Arbeiten war vorhanden, einRöntgen-Apparat und eine Maschine zur Herstellung kohlensauren Wassers.

Eine Todtenkammer fehlte. Die Aborte enthielten Porzellanbeckenmit permanenter Wasserspülung. Die grosse, gemeinsame Küche befindetsich im Zwischendeck und ist durch, einen Aufzug mit einem in derNähe der Krankenräume, etwa in der Mitte des Schiffes befindlichen An-richteraum verbunden, wo auf einem Dampfkochheerd mit 10 Kupfer-kesseln die Speisen für Kranke warmgehalten werden. Ausserdem wareine kleine Küche für Extra-Verpflegung mit elektrisch geheizten Koch-platten vorhanden. In der Hauptküche bestand ein Nachtdienst.

Eine eigene Art der Verwendung von Hospitalschiffen, welche dieneueste Zeit in immer weiterer Ausdehnung ihrer humanitären Bestre-bungen mit dem besten Erfolg durchführte, ist von der Societe francaisedes oeuvres de mer ausgegangen. Diese Hülfsgesellschaft lioss zweiSchiffe,St. Francois d'Assise" undSaint Pierre", als Hospitalschiffeausrüsten, um den zahlreichen Hochseeschiffern, welche im Nordatlanti-schen Ozean, namentlich an den Küsten von Neufundland und Island,oft unter den unsäglichsten Mühen ihrem Beruf obliegen und Erkran-kungen und Verletzungen aller Art ausgesetzt sind, ärztliche Hülfe undPflege zu Theil werden zu lassen. Die Hospitalschiffe suchen die Fischer-llotten in See auf, um entweder an Bord der Fischerfahrzeuge ärztlichenBeistand zu leisten oder von diesen Erkrankte aufzunehmen. Auch istes ihnen gestattet, anderen Schiffen und zwar jeglicher Nationalität in