Druckschrift 
2,2 (1903)
Entstehung
Seite
1361
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Nachtrag-: Hospitalschifle. 1861

küche, Speise-, Vorraths- und Wäschekammern, Wasch- und Desinfections-anstalt, Eis- und Destillirapparat, Aufbewahrungsräume für Bekleidungs-gegenstände, schmutzige Wäsche und Reinigungsgeschirr, schliesslich auchdie Todtenkammor) sind möglichst getrennt sowohl von den Kranken-räumen, wie von den Wohn- und Wirthschaftsräumen der Schiffsbesatzungauf dem Vordcrtheii des Oberdecks einzurichten.

15. Zur Versorgung der Krankenräume, der Bade- und Wasch-anstalten, Aborte u. s. w. mit Frisch- bezw. Salzwasser sind an geeig-neter Stelle auf Oberdeck Wasserkasten mit entsprechenden Leitungenaufzustellen.

16. Zur Beleuchtung ist die elektrische am zweckmässigsten.

17. Die Einrichtungen zum Ein- und Ausschiffen sind möglichst der-artig zu gestalten, dass die Kranken bequem (ohne Vertikaltransportdurch Luken und ohne Umlagerung) unmittelbar in die Krankenräumegebracht werden können (grosse Ladepforten bei gedeckten Schiffen inden Seitenwänden oder am Heck).

18. Lazarettschiffe bedürfen zum Verwundetentransport grössererBoote, besonders auch zum Schleppen der letzteren der Dampfbeiboote.

Nach diesen Grundsätzen erfolgte im Sommer 1900 die mehrfacherwähnte Ausrüstung des LazarettschiffesGera" seitens des KaiserlichDeutschen Reichs-Marineamtes und damit der erste Versuch Deutschlandsnach dieser Richtung hin, der, soviel bisher bekannt wurde, von durch-schlagendem Erfolg gekrönt worden ist.

Das Hochsee-Lazarethschiff, um ein solches konnte es sich im vor-liegenden Falle nur handeln, sollte die Flotte in die ostasiatischen Ge-wässer begleiten und hatte daher die Aufgabe, Kranke und Verwundetevon den Schiffen aufzunehmen und wochen- und monatelang bis zurvölligen Genesung an Bord zu behalten, da die vielfach mangelhaftenHospitalverhältnisse an der chinesischen Küste und die im Sommer fastregelmässig herrschenden Seuchen eine Ausschiffung kranker Leute anLand von vorn herein verboten. Durch diese Anforderung wurde einwesentlich grösseres Schiff und eine wesentlich andere Ausstattung alssonst vorgesehen bedingt. Behufs Auswahl eines geeigneten Typs wurdemit der Direction des Bremer (Norddeutschen) Lloyd in Verbindung ge-treten und für den Zweck am entsprechendsten ein Schiff der sogenanntenWeimar"-Klasse, dieGera", befunden. Sie verkehrte bisher als Passa-gierdampfer auf der australischen Linie genannter Gesellschaft und wardaher für Tropenfahrten bereits eingerichtet. Bei einem Tonnengehalt von5005 Register Tons und einer Maschine von 3*200 Pferdekräften hattesie hohe, luftige Decks, elektrische Beleuchtung, Dampfheizung, einenDestillirapparat, einen Eisraum, und die zur Verfügung stellenden Räum-lichkeiten gestatteten etwa 500 Kranke in Behandlung zu nehmen. Nacheiner gründlichen dreitägigen Reinigung und theilweisen Desinfection(Gera uwar soeben mit einer Ladung Kohlen und Stückgüter zurückgekehrt)wurde am 9. Juli mit den erforderlichen schiffbaulichen Umänderungen

Handbuch der Krarjcenvei'sovgung u. Krankenpflege. II. Bd. 2. Abth. gg