541 SIMROCK
Drei Tage und dr.ei - Farben.
Große Dinge hat die Zeit geboren,Groß und wundertätig ist die Zeit:In drei Tagen ward ein Thron verloren,In drei Tagen ward ein Volk befreit.
Weht' am ersten noch die weiße Fahne,Netzte sie der zweite roth wie Blut,Und der dritte sagt den Unterthanen,Treue sei der Bürger höchstes Gut.
Weiß und Rot und Blau das sind die Farben,Die der Franke sich erstritten hat,Denen die Pariser mutig starben,Farben sind's des Reiches wie der Stadt.
Blau und Weiß und Roth, die lasset wehenVon den Türmen, von der Schiffe Bord,Eure Türme werden fest bestehen,Eure Schiffe grüßet jeder Port.
Rot und Blau und Weiß, die müßt ihr tragenAuf den Hüten Eurem Heer voran,Eure Bürger werden stolz sich schlagen,Der drei Tage denket Mann für Mann.
Große Dinge hat die Zeit geboren,Groß und wundertätig ist die Zeit.In drei Tagen ward ein Thron verloren,In drei Tagen ward ein Volk befreit.
Simrock wurde es bei der Lektüre der Zeilen unbehaglich zumute.Sie klapperten so hölzern und waren wirklich nicht mehr als ein„Aufsatz", wie der Polizeiminister sich ausgedrückt hatte, so etwaswie ein politischer Leitartikel in Versen, nichts weiter fast, als einenüchterne Aufnahme des Tatbestandes jener Julitage, als der ver-haßte Bourbone Karl X. die Regierung an den Herzog Ludwig Phi-lipp von Orleans abgab. Das Gedicht gefiel ihm jetzt gar nicht mehr.Aber Verführerisches war nichts darin — wahrlich, wenn diesseitsdes Rheins kein begeisternderer Tyrtäus erstand, hatte es mit derdeutschen Revolution noch gute Wege. Und diese matten Versebüßte er jetzt mit seiner Dienstentlassung! Unter dem starken Ein-druck der letzten Julitage waren sie ihm entschlüpft — so rechtmit dem Herzen war er schon damals gar nicht dabei gewesen. Vonder Begeisterung ringsum hatte er sich hinreißen lassen. Es war am3. August. Hundstagehitze. Große Festsitzung in der Aula der Uni-versität, als Nachfeier zu Königs Geburtstag, in Gegenwart des