Druckschrift 
2 (1928)
Entstehung
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509
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509 SCHICKELE

kraft von Woche zu Woche zuzunehmen schien. Die Presse standnut einer fast beispiellosen Geschlossenheit förmlich Spalier vor demn euentdeckten Dramatiker, der sich als Lyriker und Romanschrift-steller bereits Anerkennung errungen hatte, und kein politischerSignalpfiff zerstörte diese Harmonie der Kritik. Bei der brennendenAktualität des Problems, das der elsässische Dichter zu formengewagt hatte, war diese überraschende Einmütigkeit des öffentlichenUrteils gewiß der beste Beweis für die Objektivität, die er hattewalten lassen. „Ein Heimatstück deutschen Wesens", hieß es in der..Post"; „mancher, dem die elsässische Frage bisher nur etwas ganzÄußerliches erschien, kann daran lernen, wie auch dort nicht umMenschenleben, sondern um Menschenseelen gerungen wird", schriebdie „Germania"; der „Deutsche Reichsanzeiger" rühmte die „ten-denzfreie" Art, mit der hier die Zwiespältigkeit der Gefühle einerelsässischen Familie bei Kriegsausbruch geschildert sei, und ebensofand die „Kreuzzeitung", daß „der deutsche Standpunkt in dem Stückdeutlich zum Ausdruck gelange" — vielleicht, daß neben den welt-bürgerlichen Phantasien über den Krieg „fast zu viel" beteuerndeWorte über deutsche Art vorkämen. Die gefährliche politische Klippewar also in großem Bogen umschifft, und das Wetterglas verhießglücklichste Fahrt.

Vier Wochen beherrschte „Hans im Schnakenloch" das Repertoirdes „Kleinen Theaters" — da lief beim Oberkommando in den Mar-ken (Oberbefehlshaber Exz. v. Kessel in Berlin) folgendes Schreibenaus dem Großen Hauptquartier vom 25. April ein:

„Mehrfache Zuschriften weisen mich auf ein im Kleinen Theaterzur Aufführung gelangendes Schauspiel ,Hans im Schnakenloch'hin und erheben aus vaterländischen Gründen Einspruch gegen dieAufführung dieses Stückes, das eine Verherrlichung des deutsch-feindlichen Elsässertums darstelle. Ich vermag die Richtigkeit dieserBehauptung nicht zu beurteilen. Da mir die Zuschriften aber be-weisen, daß durch die Aufführung des Stückes tatsächlich im vater-ländischen Sinne Ärgernis entstanden ist, mache Eurer Excellenzich hiervon Mitteilung. Sollten Ew. Exe. nach Prüfung sich den anmich gelangten Bedenken anschließen, so darf ich Ew. Exe. ent-sprechende Weisung an die Aufsichtsbehörden anheimstellen. ZurErledigung der an mich gelangten Zuschriften wäre ich für einekurze Mitteilung dankbar über Art und Inhalt des Stückes undwelche Beweggründe die Zensur hatte, es zur Aufführung freizu-geben." Unterschrift: Ludendorff, General der Infanterie, 1. Ge-neralquartiermeister im Generalstab des Feldheeres.

Das Oberkommando in den Marken war die höchste Instanz inallen Fragen der Berliner Theaterzensur, sein sachverständiger Bei-rat der Generalintendant der Königlichen Schauspiele, Graf v. Hülsen,