Speoielle Kvankenversorgung für Soldaten. (Beim Landheer, im Kriege.) 325
Die gesundheitlichen Anforderungen an die Feldlazarettanlage sind zuberücksichtigen und erfolgen nach den allgemeinen Grundsätzen. Beim Herr-schen von Seuchen sind besondere Seuchenlazarethe abseits von der Ver-kehrsstrasse zu errichten, deren Lage den Truppen bekannt zu geben ist.
Die Ablösung des Feldlazareths, welches eine mobile Sanitäts-einrichtung darstellt, ist zu ermöglichen, damit dasselbe den Truppenwieder folgen kann; zu diesem Zweck kann zunächst ein Zug frei ge-macht werden; das eingerichtete Feldlazareth ist an sich von derTruppenbewegung unabhängig.
Der geregelte Dienstbetrieb entspricht im eingerichteten Feld-lazareth den sonstigen Bestimmungen, wie sie auch für den Friedengelten. Das Vertrauen des Heeres, sagt die Kriegs-Sanitäts-Ordnung, be-steht nicht nur in der wissenschaftlichen und dienstlichen Tüchtigkeitdes Sanitätspersonals, sondern auch in der Theilnahme, welche jedemeinzelnen Verwundeten und Kranken zu widmen ist. Es findet die Ein-theilung in Stationen statt, die Regelung des Hauptkrankenbesuchs, dieFührung der Krankenblätter, die Bestimmung von Tages- und Nacht-wachpersonal. Die Arzneiversorgung findet durch den Feldapothekerstatt. Die Beköstigung regelt sich nach der Vorschrift, die reichlicheBeköstigungsformen bietet (Beilage 8 der K. S. 0.). Die Feldbettstellensind von Holz und von Eisen. Auf Aufstellung von Nothfeldbettstellenist Bedacht zu nehmen.
Auf Personal und Material des Feldlazareths findet die Genfer Con-vention Anwendung.
Während des Feldzuges 1870/71 sind in der Zeit vom 1. August1870 bis 28. Februar 1871 die Feldlazarette 545 mal, mit einzelnenZügen 77mal in Thätigkeit getreten, so dass jedes der 191 Lazarethebei halbgerecbneten Zügen durchschnittlich 3 mal sich etablirt hat. DieFeldlazarette haben 280910 Verwundete und Kranke aufgenommen, sodass auf ein Feldlazareth im Durchschnitt 1471 behandelte Kämpferkommen; diese Kranken haben 3245743 Verpflegungstage beansprucht.
Das Lazarethreservedepot führt 80 Krankenzelte mit. Ausserdemsind Schutzdächer, leichte Feld- und Zeltbaracken herzustellen, beilängerem Aufenthalt ist die Errichtung festerer Baracken zu erstreben.Die Kriegs-Sanitäts-Ordnung beschreibt ein Krankenzelt von 12 Betten(§ 64 der Anlage), sie schildert den Aufbau einer Noth- und Zeltbarackeund einer Kriegsbaracke, die auch während des Winters benutzbar ist.
Die Zeltbehandlung hat den Vorzug der Beweglichkeit. Für längerenAufenthalt ist die Verwendung, namentlich im Winter, unthunlich. DieFeldbaracke wird an Ort und Stelle improvisirt. Die festen Barackensind immobil als temporäres Hospital in Kriegszeiten zu denken.
Die immobile Baracke ist nicht überall zu haben, ihr Aufbau kannim Kriege mit grossen Schwierigkeiten verknüpft sein. Es lag daherder Gedanke nahe, die immobile Baracke mobil zu machen, d. h. dieBaracke im Inlande fertig zu stellen, sie in Theile zerlegt zu transportirenund an den zuständigen Orten wieder zusammenzufügen. Dieser Gedanke