172 Feilchenfeld,
1893/94 1894/95 1895/96 1896/97
Lazarethkranke ....... 118 110 138 150
Revierkranice (ambulatorisch behandelte) 127 137 149 208
also durchschnittlich 284,25 pro anno oder 157,90 pCt.
Aus der Provinzial-Zwangs-Erziehungsanstalt in Tempelburg bei
Danzig wird berichtet:
1891 1892 1893 1894 1895Durchschnittliche Zahl der Zöglinge 237 230 251 252 228Anzahl der Erkrankten .... 65 28 29 13 19
Das sind 12,85 pCt., wobei allerdings nur ernstere Erkrankungen ge-zählt wurden.
Aus Russland berichtet Menger 1 ), dass 1894 in russischen Gefäng-nissen 42164 Kinder untergebracht waren, von denen 5180 krank waren,und zwar an 94621 Tagen, d. i. 12,3 pCt. Kranke mit durchschnittlich18,3 Krankentagen.
Wir sehen aus den angeführten Zahlen, in wie weiten Grenzen dieAngaben schwanken; es liegt das zum grossen Theil an der verschie-denen Art der Krankenaufstellung; während das eine Mal jede auch ge-ringe körperliche Störung verzeichnet wird, werden in anderen Anstaltennur ernstere Erkrankungen aufgeführt. Weiter kommen auch die ver-schiedenen hygienischen Bedingungen in den Anstalten selbst in Betracht,so berichtet z. B. ein Anstaltsdirector, dass in Folge der dort herrschen-den rauhen Luft in seinem Institute jährlich ca. 30 pCt. der Kinder anHalsentzündungen erkranken. Endlich kommt es auf die Verschieden-heit der äusseren Verhältnisse an, denen die Kinder entstammen; wäh-rend in Internaten sich überwiegend wohl Kinder befinden, welche vorder Aufnahme eine sorgsame Pflege genossen haben, finden wir in Waisen-häusern, Rettungshäusern, Zwangserziehungsanstalten u. s.w. meist Kinder,die misslichen Verhältnissen entstammen, die zu Hause schlecht ernährtworden sind, häufig vernachlässigt waren und oft, hereditär belastet, dieDisposition zu mancherlei Krankheiten mit in das Erziehungshaus bringen.Von 61 in die Erziehungs- und Pflegeanstalt zu Langenhagen 2 ) neu Auf-genommenen 1891/92 waren 25 — 41 pCt. an Scrophulose erkrankt,23 = 37,7 pCt. an Rachitis.
Aus allem diesen ergiebt sich wohl klar, dass der Krankenbestandin den genannten Anstalten doch meist ein nicht unbeträchtlicher ist,und dass es somit nothwendig ist, neben allgemeinen guten hygienischenVerhältnissen in diesen Instituten auch ganz besonders hohe Ansprüchean eine ausreichende Krankenfürsorge zu stellen.
Wichtig ist zunächst die Art der ärztlichen Versorgung in der An-stalt. Kleinere Institute mit einer Belegzahl von unter 100 Zöglingenmüssen einen Hausarzt haben, der regelmässig mehrmals in der Woche— bei über 50 Kindern täglich — des Morgens vor dem Schulbesuche
x ) Verhandl. der Deutsch. Gesellsch. f. öffentl. Gesundheitspfl. zu Berlin. 1896.2 ) Zeitschrift f. d. Behandlung Schwachsinniger, Epileptiker. 1893. S. 48.