Specielle Kranken Versorgung für Schüler und Waisen. 169
vorzustellen. Bei bedenklichen Fällen und Unglücksfällen ist derselbesofort in die Anstalt zu holen. Ob und wie lange ein Zögling als Krankerzu behandeln, ist in diesem Falle durch den Arzt zu bestimmen. Der-selbe entscheidet auch über die Art der Behandlung der Kranken inmedicinischer und diätetischer Beziehung. Soweit nicht aus diesen Rück-sichten Abweichungen von den allgemeinen Vorschriften über die Behand-lung der Zöglinge nothwendig werden, bleiben die letzteren auch für dieKranken geltend, weshalb in disciplin arischer Beziehung dieselbe Strengezu beobachten ist. Soweit der Zustand des Kranken eine Beschäftigungzulässt, soll darauf Bedacht genommen w,erden, ihm eine solche zuzu-weisen.
Um der Forderung, allgemein eine gesetzliche Regelung der Kranken-pflege in den hierhergehörigen Instituten einzuführen, vermehrtes Gewichtzu geben, wäre es dringend nothwendig, eine genaue Krankenstatistikaus allen Anstalten zu erhalten. Leider ist dieses aber zur Zeit nichtmöglich, da nur in wenigen ein Kranken Journal regelmässig geführt wird,und die Anstaltsleiter — auch wo pecum'äre Interessen völlig ausge-schlossen sind — ein natürliches Interesse daran haben, ihre Institutein sanitärer Hinsicht möglichst günstig erscheinen zu lassen. In denAnstaltsberichten, die in die Oeffentlichkeit gelangen, wird daher derGesundheitszustand der Zöglinge meist auch nur mit wenigen Worten imAllgemeinen und zwar gewöhnlich als „ein befriedigender" bezeichnet.Bei einer Rundfrage an eine grosse Anzahl der in Deutschland bestehen-den Alumnate, Waisenhäuser, Zwangserziehungs- und Rettungsanstaltenwurden dementsprechend auch nur von sehr wenigen einigermassen ge-naue Angaben gemacht. Obwohl somit ein klares Bild über die Kranken-bewegung in den Anstalten nicht gegeben werden kann, sollen dennocheinige der zugänglichen Zahlen aufgeführt werden.
In dem Alumnate am Kgl. Joachimthal'schen Gymnasium zu Berlinwar nach einem Berichte des Gymnasialdirectors Herrn Dr. Bach dieErkrankungsziffer bei einer ungefähr gleichen Zöglingszahl von ca. 150während der letzten 10 Jahre:
1887 1888 1889 1890 1891 1892 1893 1894 1895 1896228 218 207 148, 211 206 229 104 151 116
Der Procentsatz der einzelnen Erkrankungen war also im Durch-schnitt 121 pOt.
Ueber die Krankenbewegung in dem zur Landes- und FürstenschuleSt. Afra in Meissen gehörigen Alumnate berichtet der Kgl. Bezirks- undLandessclmlarzt Herr Dr. Erler:
1891 1892 1893 1894 1895 1896
1. Anzahl der Kranken ..... 83 89 96 80 51 77
2. Procentverhältniss zur Anzahl der
Alumnen ........ 65,3 68,4 73,0 61,5 39,2 59,2
3. Verpflegungstage ...... 371 364 422 308 267 274
4. Durchschnittliche Verpflegungsdauer
in Tagen ........ 4,3 4,0 4,4 3,8 5,2 3,5