Druckschrift 
2,2 (1903)
Entstehung
Seite
117
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Specielle Kranken Versorgung für Gefangene. 117

Gefangenen selbst, sondern auch unter anderen mit ihnen in Berührunggekommenen Menschen, und eine traurige Berühmtheit erlangten dieunter dem Namen derschwarzen Assisen" (Black assises) bekannt ge-wordenen Epidemien von Kerkerfieber in England. Die ausgedehntestetrat im Jahre 1557 in Oxford auf, wo von den am 4., 5. und 6. Julivor Gericht gestellten Gefangenen die Seuche auch auf Richter, Ge-schworene und Zuschauer übertragen wurde und bis zum 12. August510 Menschenleben als Opfer forderte. Aehnliche Epidemien wütheten imJahre 1586 in Exeter, 1730 in Taunton, 1742 in Launceston und 1750in London.

Als weitere Folge dieser beklagenswerthen Zustände finden wir inden älteren Gefängnissen den Scorbut fast endemisch, als dessen haupt-sächlichste Ursachen die einförmige ungenügende Ernährung, die Ueber-füllung der Anstaltsräume, die feuchte Beschaffenheit der Athmungsluftund die niederdrückenden Gemüthsaffecte bezeichnet werden; ferner findenwir in grosser Ausbreitung die Scrofulose, dieGcfängnissscrofeln",chronische Anschwellung, Entzündung und Vereiterung der Lymphdrüsen,besonders des Halses, Nackens und der Achselhöhle; ferner allgemeineWassersucht, und zwar nicht nur als Folgeerscheinung eines anderenorganischen Leidens, der Nieren, des Herzens, der Leber, sondern alsselbstständige Erkrankung, hervorgerufen durch eine mangelhafte Blut-beschaffenheit (Hydrämie) infolge von schlechter Ernährung und allge-meiner Cachexie. Eine der häufigsten Erkrankungen war und ist zumTheil auch jetzt noch die Phthise.

Ausser diesen Erkrankungen kamen auch noch in grosser Zahl in-folge der mangelhalften Reinlichkeit Hautausschläge in den verschie-densten Formen, ferner Augenerkrankungen, insbesondere Nacht-blindheit, und als Folge der schlechten Kost Darmkrankheiten allerArt vor.

Als in neuerer Zeit sich humanere Anschauungen Bahn gebrochenhatten, und man zu der Einsicht gekommen war, dass es unmöglich imSinne des Gesetzes liegen könne, einen zu einer Freiheitsstrafe Ver-urtheilten dauernd an seiner Gesundheit zu schädigen, oder ihn einemlangsamen Siechthum entgegenzuführen, fanden die Fortschritte der all-gemeinen Gesundheitspflege auch in den Gefängnissen Eingang. Dieerste Anregung zu einer Besserung der Lage der Gefangenen ging Endedes vorigen Jahrhunderts von dem Engländer John Howard aus. Mitunermüdlichem Eifer besuchte er nicht nur die Gefängnisse Englands,sondern auch der Länder des Oontinents, deckte die Schäden in densel-ben auf und gab Vorschläge für eine Reform des Gefängnisswesens.Seine Anregungen fielen nicht nur in seinem engeren Vaterlande auffruchtbaren Boden, sondern fanden auch weit über die Grenzen desselbenhinaus, insbesondere auch in Deutschland, Aufnahme und Nachahmung.Man hat seitdem unentwegt daran gearbeitet, die Lage der Gefangenenzu einer menschenwürdigeren zu gestalten, und in den Gefängnissen derneueren Zeit sind zur Verhütung von Krankheiten die Aveitgehendsten