Speoielle Krankenversorgung für Arbeiter (Anhang für Bergarbeiter). 95
einen materiellen V ortheil unter Zugrundelegung folgender Berechnung:„Nimmt man an, es gelänge im Laufe eines Jahres von den 200 Pfleg-lingen der Anstalt (50 Betten mit 13 wöchentlicher Pflege) nur 1 / i soerheblich zu bessern, dass der Eintritt der Invalidität um eine längereReihe von Jahren — sagen wir um etwa 5 Jahre — hinausgeschobenwird, während bei 2 / 4 nur eine geringe Besserung mit einer Verzögerungder Invalidität um 1—2 Jahr, bei dem letzten 1 / i überhaupt keineBesserung zu erzielen ist, so bedeutete dieser, gewiss nur sehr be-scheidene Erfolg schon ein Ersparniss von insgesammt 50 X 5 -\-100 X IV2 = 400 Renten, oder — wenn man den jährlichen Cassen-antheil an einer Invalidenrente auf durchschnittlich 150 M. annimmt —einer Summe von 60 000 M. Einen grösseren Zuschuss wird aber dieAnstalt selbst auch niemals erfordern."
Ob diese Berechnung zutreffend ist, wird die Zukunft lehren.Jsdenfalls dürfte die durch die Anstaltspflege und Behandlung einge-tretene Besserung in vielen Fällen durch die Wiederaufnahme der Ar-beit mit ihren vielen Schädlichkeiten schnell wieder vernichtet werden.Von besonderem Vorthcil dagegen erscheint es, dass die Pfleglinge insolchen Anstalten genau über ihr Leiden unterrichtet und darüber unter-richtet, werden, wie sie sich in ihrem eigenen Interesse und im Interesseihrer Umgebung zu verhalten haben, um ihre Leiden nicht zu ver-schlimmern und die Ansteckungsgefahr für Andere zu vermindern.
In einzelnen Fällen haben Preussische Knappschafts vereine Bade-einrichtungen für medicinische Bäder, Wannenbäder und irisch-römischeBäder (der Mansfelder Knappschaftsverein) oder sie haben in CurortenHäuser und Einrichtungen, die ihren Mitgliedern den Curgebrauch er-möglichen (der Oberschlesiche Knappschaftsverein in Goczalkowitz).Statutenmässig dafür gesorgt ist bei allen Knappschaftsvereinen, dassbei nachweisbarem Bedarf den Mitgliedern zum mindesten ein Theil derdurch den Badeaufenthalt entstandenen Unkosten auf Beschluss des Vor-stands ersetzt werden kann.
In vereinzelten Fällen besitzen die Knappschaftsvereine für ihre In-validen und Waisen Siechen- und Waisenhäuser, so beispielsweise derSaarbrücker Knappschaftsverein im Oberbergamtsbezirk Bonn, der einSiechen- und 2 Waisenhäuser besitzt.
Da die Verabreichung freier Medicin an die Mitglieder von früherZeit her zu den Aufgaben der Knappschaft gehört, längst bevor durchdas Krankenversicherungsgesetz eine dahin gehende gesetzliche Vorschrifterfolgte, so haben schon von Alters her die meisten Vereine mit allenoder einzelnen Apotheken ihres Curbezirks Verträge abgeschlossen, indenen den Verbänden eine Preisermässigung der Medicamente zuge-sichert wird.
Sie haben ferner Bestimmungen getroffen, dass die Knappschafts-ärzte die verabreichten Medicamente auf ihre gute Beschaffenheit zeit-weilig zu prüfen haben, ebenso wie die Apotheken-Rechnungen, dievierteljährlich an den Vorstand eingehen.