Fürsorge, auf dem Gebiete des Rettungswesens. 693
Zur Zeit der Choleraepidemie war auch ein ärztlicher Tagesdienst indun Wachen eingerichtet. AVährend sonst in allen Wachen aller Städte diechirurgischen Hülfsleistungen der Wachen überwiegen, zeigte sich zujener Zeit ein vollkommen anderes Bild. Es wurden von AVache 1 imJahre 1892 511 chirurgische und 1082 innere Fälle behandelt. Vonletzteren waren typische Cholera in den Monaten August und September358. Auf AVache 2 kamen 187 äussere und 468 innere Fälle (172 Cholera-kranke) zur A r ersorgung. Während der Zeit waren noch zwei „temporäreSanitätswachen mit Aerztenachweis" eingerichtet. Bemerkenswerth ist,dass im Bericht für das Jahr 1894 sich folgender Gedanke ausgesprochenfindet:
„Gerade auf diesem Gebiete aber könnte vom Staate ausserordentlich Segens-reiches geleistet werden, wenn die an verschiedenen Krankenhäusern bestehendenoder noch einzurichtenden Polikliniken ununterbrochen mit Assistenzärzten besetztund zu Hülfeleistungen bereit wären. Durch den solcher Gestalt erfolgten Anschluss
folgender nenn Anstalten:.......würde die Stadt mit einem vollständigen Ringe
vortrefflich eingerichteter Stationen umgeben, und dem vorhandenen Bedürfnisse Ge-nüge geschehen sein".
Dieser Gedanke ist dann wieder im Bericht für 1897, also nachBegründung der Berliner Rettungsgesellschaft, ausgedrückt, jedoch bishernicht verwirklicht worden. Man wollte damals mit Hülfe sämmtlicherVereine, welche einschlägige Ziele haben, „und unter Heranziehung derverschiedenen Krankenhäuser, eine der Berliner Rettungsgesellschaft ähn-liche Einrichtung für das gesammte hamburgische Gebiet schaffen". Auchim letzten Bericht für 1899 ist von Verhandlungen die Rede, um ansämmtlichen Krankenhäusern Stationen zu errichten, in welchen ersteärztliche Hülfe geleistet wird.
Ausser der einen Sanitätswache fungirt das Polizei-Krankenhausals Rettungswache, indem die diensthabenden Aerzte Hülfesuchende ver-sorgen. Sämmtliche Polizeiwachen sind mit Verbandkästen und Räder-bahren ausgerüstet, so dass die Polizisten, die als Nothhelfer ausgebildetsind, erste Hülfe leisten und in besonderen Fällen Aerzte aus der Nachbar-schaft heranziehen.
Die vortrefflich organisirte Hamburgische Feuerwehr, deren Mann-schaften seit '1891 — und zwar jetzt alle — als Samariter ausgebildetwerden, leistet gleichfalls erste Hülfe, übernimmt aber nicht die Kranken-beförderung. Im gegebenen Falle werden die polizeilichen Krankenwagenherbeigerufen. In jedem Löschzuge werden zwei Verbandkästen, eingrosser auf dem Mannschaftswagen und ein kleiner auf der Gasspritze,zu jeder Brand- oder Unfallstelle mitgeführt. In jeder AVache ist ausser-dem ein Reserveverbandkasten verfügbar. Die Hülfe wird Jedermannunentgeltlich geleistet. A 7 on 1893—98 wurde bei Bränden 322 mal undauf den AA r achcn 91 mal erste Hülfe geleistet.