Druckschrift 
2,1 (1902)
Entstehung
Seite
634
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634 G. Meyer,

In Bremen sind säulenförmige Meldeapparate für Feuer und Unfallhergestellt. In Paris besteht eine Gesellschaft zur Aufstellung ähnlichgestalteter Apparate auf den Strassen.

2. Einrichtung des Rettungswesens in kleineren Städtenund auf dem flachen Lande.

Hier kommen andere Vorkehrungen in Betracht als in einer Gross-stadt, weil diejenigen Verhältnisse, welche für die Einrichtung ersterHülfe in Frage kommen, hier ganz andere sind als dort. Zunächstist die Zahl der Aerzte viel geringer, und wenn auch in heutigerZeit wohl kaum an irgend einem Orte in Deutschland oder imAuslande über Mangel an Aerzten geklagt werden kann, so sindsie hier im Verhältniss doch viel dünner gesät als in den grossenStädten. Ich habe in einer Zusammenstellung über die in den einzelnenProvinzen Preussens und den anderen Bundesstaaten vorhandenen Aerzte,welche 1891 erschien, gezeigt, dass besonders der Osten von Deutsch-land ärztlicher Hülfe entbehrt. Und in gleicher Weise zeigte sich beimeiner Zusammenstellung über die in den einzelnen Städten Deutsch-lands vorhandenen Rettungs- und Samaritereinrichtungen, dass wiederumder Osten am wenigsten mit solchen bedacht ist. Während also eigent-lich im Osten nach letzterer Richtung am meisten gesorgt sein müsste,weil hier wegen der geringeren Zahl von Aerzten Hülfe in Nothfällenschwieriger erreichbar, findet das Gegentheil statt: Bei der geringeren Zahlvon Aerzten sind auch weniger Rettungseinrichtungen in den Orten vor-handen.

Während in einer kleinen Stadt, wo ein Krankenhaus vorhanden,der Rettungsdienst ganz gut von diesem ausgehen kann und auch viel-fach ausgeht, ist eine ganz andere Organisation auf dem Lande erforder-lich. In einer kleineren Stadt sind auch noch relativ viel Aerzte zurVerfügung, welche allerdings nicht immer zu Hause oder in der Stadtsind, da die Ausübung der Landpraaxis sie oft auf viele Stunden vonihrem Wohnorte wegruft. Es muss daher auch hier eine gewisseRegelung für die erste Hülfe bestehen, und dafür sind die freiwilligenOrganisationen zu benutzen, welche in den kleinsten Orten Mitgliederhaben, die Vereine vom Rothen Kreuz, die Samaritervereine und diefreiwilligen Feuerwehren. Man hat in manchen kleineren OrtschaftenMeldestellen für erste Hülfe bei Mitgliedern dieser Vereinigungen errichtet,wie dies bei der freiwilligen Feuerwehr zur Meldung von Bränden häufigder Fall ist. Ferner können auch die Gasthäuser und die Wohnungenvon bekannten Personen, der Gutsherren, Lehrer, als Meldestellen undgleichzeitig zur Unterbringung der nothwendigsten Hülfsmittel benutztwerden. Das Hauptaugenmerk ist hier in noch höherem Maasse alsvorher auf die Bereitstellung von Krankentransportmitteln zu richten,denn es ereignen sich Unfälle sehr häufig weit entfernt von mensch-lichen Wohnungen, wo dann erforderlich ist, nach Anlegung eines Not-verbandes den Patienten so schnell als möglich ärztlicher Versorgung