Druckschrift 
2,1 (1902)
Entstehung
Seite
540
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540 G. Meyer,

der Behandlung der auf dem Eise Verunglückten an. Genau sind aufbesonderen Tafeln die Orte angegeben, wohin Verunglückte, welche anbestimmten Stellen gefunden, hinzubringen sind. Es findet sich hier dienoch heute häufig bestätigte Erfahrung, dass „man ohne specielle Vorschriftwohin die Körper zu bringen, und welcher Wundarzt herbeizurufen istjemals erwarten kann, dass nicht über die Frage: wo bleiben wir mitdem Körper und wen rufen wir zu Hülfe? gerade der glücklichste undnicht selten sogar der entscheidende Augenblick verloren gehen sollte,besonders in den grossen Städten, wo die bekanntesten Aufnahme-Oertersehr selten die nächsten sind. Allgemeine Anweisung, den Körper nachder nächsten Wache zu bringen, den nächsten Wundarzt herbeizuholen,machen es hier nicht aus, das lehrt die Erfahrung." Sorgsam sindalle einzelnen Vorschriften dargelegt, wo die Rettungskästen zu finden,und in welcher Weise nach Auffindung eines Körpers zu verfahren ist.Auch auf die Behandlung Erdrosselter und in Kohlendampf Erstickterwird die Behandlung ausgedehnt. Für bedenklich wurden bezeichnetAderlässe, Brechmittel, Tabaksklystiere. Das erwähnte Mandat sollte durch•öffentlichen Anschlag, Einrücken in die Zeitungen, in den Wirthshäusern,Barbierstuben, bei den Predigern, Schullehrern, Vögten, Wundärzten undHauptleuten vertheilt, in den Volkskalender eingerückt, den Lehrern derVolks- und Armenschulen und des Waisenhauses mitgetheilt werden, inähnlicher Weise also, wie etwa 140 Jahre später es auch üblich ge-worden, dergleichen Anstalten zur Kenntniss des Publikums zu bringen.

Die für die Rettung Verunglückter damals gebräuchlichen Geräth-schaften sind im Folgenden aus dem Originalwerk von Günther: „Ge-sichte und Einrichtung der Hamburgischen Rettungsanstalten für imWasser verunglückte Menschen" abgebildet.

Mit dem Sucher (Abbildung 1) wird der Körper aufgesucht, mit dergeöffneten Zange (Abbildung 2) erfasst und dann mit der geschlossenenemporgezogen. Die Zange öffnet sich beim Herunterlassen ins Wasserdurch ihre eigene Schwerkraft und durch das Sinken des eisernen Ringes o,im Uebrigen ist der Mechanismus der Geräthe aus den Abbildungen leichtersichtlich. Der Preis der beiden Werkzeuge betrug zuerst etwa 27 bis30 Mark (Hamburgische), später aber bereits 45 Mark. Für die Rettung•im Eise Verunglückter wurde, da einfache Stricke, welche den Verun-glückten zugeworfen wurden, auf dem brüchigen Eise nicht immer ge-fahrlos für den Retter waren, 1776 an den Leinen hölzerne Kugeln be-festigt, in der Folge aber wieder verworfen, weil hierdurch der Verun-glückte der Gefahr der Verletzung ausgesetzt war. 1781 wurde daher'ein anderer Versuch mit einem sehr ursprünglich erdachten Eisboote ge-macht, welches nach Angabe des Schutenführers Thomas Ritzler ge-fertigt war und seinen Zweck gut erfüllte, da es im Wasser und aufdem Eise gebraucht und von einem Menschen gehandhabt werdenkonnte. Das Boot (Abbildung 3) ist aus Korb gerlochten und aussenmit Leder überzogen, um das Eindringen des Wassers zu ver-hüten. Unten aussen ist das Boot mit zwei eisernen Schienen belegt,