Druckschrift 
2,1 (1902)
Entstehung
Seite
522
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522 G. Meyer,

Beylage zu Vorigem.

Unterricht, durch welche Mittel plötzlich verunglückte, todtscheinende Personen in den meisten Fällen gerettet werden können.

Die Aertzte sind aus oft wiederholten sichren Erfahrungen überzeugt, dass diemeisten im Wasser verunglückte, erhenckte, durch schädliche Dämpfe betäubte, odervor Kälte erstarrte Personen ins Leben zurück gebracht werden können, wenn ihnenschleunige, vernünftige und anhaltende Hülfe geleistet wird.

Unwissende halten dergleichen Personen für todt, weil sie nicht mehr Athemholen, unempfindlich sind, wenn sie auch gerüttelt, mit Wasser oder starkriechendenFeuchtigkeiten angesprenget, gebrannt u. s. w. werden, und weil nicht der geringstePuls-Schlag, weder in einer äusseren Ader, noch am Herzen bey ihnen gespühret wird,auch wohl bey der ersten Aderlasse kein Blut kommt. Aber diese vermeinte Todes-zeichen sind alle trüglich, und man hat bewährte Ilülfs-Mittel, wodurch der schein-bar Todte, wenn auch die gedachten Anzeigen alle vorhanden wären, dennoch oftgerettet worden.

Einige dieser Hülfs-Mittel kan nur ein Artzt verordnen, oder ein Wundartztappliciren, weil Vorsicht oder besondere Kunstgriffe erforderlich sind, wenn sie nichtschaden sollen. Andere sind von der Beschaffenheit; dass jeder Ungelehrter sie ganzleicht und ohne Bedenken anwenden kan. Von diesen letzteren soll gegenwärtigerUnterricht handeln.

Drey allgemeine Anmerkungen sind hier vorauszusetzen:

Erstlich. So bald ein scheinbar Todter gefunden wird, muss sogleich, derSicherheit wegen, ein Artzt oder Wundartzt herbeygernfen werden, weil man nichtweiss, ob nicht kunstmässige Hülfe nöthig seyn möchte. Indessen verfahren die um-stehenden, ohne auf jener Ankunft zu warten, unablässig mit den bey jedem Falleunten zu lehrenden Mitteln.

Zweytens. Man muss nicht ablassen, wenn die angewandten Mittel keineschleunige Wirkung äussern, sondern dem ohngeachtet einige Stunden damit fort-fahren. Denn es ist oft bemerket worden, dass alle Bemühungen eine geraume Zeitvergebens geschienen und am Ende doch geholfen haben; oder dass ein Mittel an-geschlagen, wenn alle übrigen schon umsonst versucht waren.

Drittens. Selbst dem Artzte öder Wundartzte muss nicht geglaubet werden,wenn er auf dem blossen Augenschein, oder nach ein paar flüchtigen Froben einensolchen unglücklichen Menschen für todt erkläret. Denn in diesen Fällen kan auchder erfahrendste Artzt, ohne wiederholte Versuche, nicht mit Gewissheit wissen, obder Tod wirklich da, oder ob die Rettung noch möglich sey.

Sollten alle unten vorkommenden Hülfs-Mittel in einem oder etlichen Fällenfruchtlos gewesen seyn; so lasse sich ja niemand abschrecken. Alle diese Mittel sindvon vielen gelehrten und sorgfältigen Aertzten so genau geprüft, und in den meistenFällen so hülfreich gefunden worden, dass man sie sicher als die besten unter denbisher entdeckten empfehlen kan, ob sie gleich, wie jede Artzeney, nicht Wunderthun, oder in allen Fällen ohne Ausnahme helfen können. Der mitleidige Freundder Unglücklichen, wende sie mit Zutrauen immer an, wenn er einen solchen traurigenZufall findet. Denn er kann niehmals beurtheilen, ob nicht die Bettung noch möglichsey; und ist sie es nicht, so hat er die Beruhigung, das Leben eines Menschen nichtverwahrloset zu haben.

Erster Abschnitt.Von Hülfs-Mitteln für Ertrunckene.I. Wenn ein lebloser Körper im Wasser oder am Ufer gesehen wird, mussschleunigst Anstalt gemachet werden, ihn behutsam aufs Trockne zu bringen. Die