Druckschrift 
2,1 (1902)
Entstehung
Seite
506
Einzelbild herunterladen
 

506 G. Meyer,

Aufmerksamkeit erregten. Allerdings waren auch im Altcrthum Er-rettungen vom Scheintode bekannt, wie sich aus dem NamenHysteropot-mos" ergiebt. welchen die Griechen für vom Tode erweckte Menschenanwendeten, welche noch einmal feierlich zum Leben eingeweihtwurden. Bei den Römern kamen einige Male die Todten auf demScheiterhaufen wieder zum Leben, und daher schreibt sich der Brauch,vor dem Verbrennen dem Leichnam ein Fingerglied abzuschneiden, eineGewohnheit, welche an die Eröffnung der Pulsadern erinnert, welcheheute bisweilen von Seiten der Angehörigen als Nachweis sicheren Todesvom Arzte verlangt wird. Struve tadelt 1797, dass bei den Altenkeine öffentliche Anstalten zur Hülfe Verunglückter bestanden, und esgeht aus den Werken der damaligen Zeiten hervor, dass den AutorenBekanntmachungen bezüglich des Verfahrens mit Ertrunkenen aus früherenJahrhunderten anscheinend nicht bekannt gewesen sind.

Das Land, in welchem zu Ende des 18. Jahrhunderts die erste organi-sirte Rettungsgesellschaft der Welt errichtet wurde, hat den Ruhm, erheblichfrüher die ersten Verordnungen hierüber gehabt zu haben. Wie aus ihremhier wiedergegehenen Wortlaut hervorgeht, sind darin allerdings keinebesonderen medicinischen Verhaltungsmaassregeln gegeben, sondern nurder Rath ertheilt, Ertrunkene aus dem Wasser zu ziehen, sie aber ohneWissen der Obrigkeit nicht weiter zu bringen.

Die erste Verordnung stammt vom 16. Juli 1417 und lautet inholländischer Sprache:

Handvest

inhoudende vele en voomame vooregten dorn-

vrouw Jacoba van beijeren,

aan de

ingezetenen in den grooten waard van zuid-

holland geschonken.

16. July 1417.

Item, waer dat yemant quam daer hy eenen mensch verdrinckt ofte in noode

vonde die sal hy vuyt moegen trecken op tlant ende tbeste daer mede doen sonder

verbeuren behoudelyk dat hys niet ter aerde en sal brengen buyten consente van onser

heerlich eyt.

Sehr alt ohne Jahreszahl ist folgende Verfügung:

Van Dootslagh.

Item wan enigh mensche die doot gheslagen werde binnen der vryhede van Am-stelredame, en worde die bekend, na den rechte van der Stede, dat hy doot gheblevenwäre van menschen handen, dien doden magli men graven en voort claghen mit ken-nisse van den rechter en van Seepen gheliker wys of die dode lichaem jeghenwoor-digh gebloket stonde. En worde yemant in dien dootslagh besworen die daer nietvredeloes in gheleyt en wäre die soude vrede hebben tot tijt toe dat hij op syn ruymequame. En nyemant daer in te besweren hy en zy bezaket, te voren eer men olaghet endie smen core te hebben van den aenbringe ghelyc die ghene hebben die vredeloos syn.

Aus dem gleichen Jahrhundert, von 1455, sind noch zwei Ver-fügungen zu erwähnen, welche ungefähr desselben Inhalts wie die erste sind: