Druckschrift 
2,1 (1902)
Entstehung
Seite
486
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486 G.Meyer,

von den Behörden, welche die Beförderung der ansteckenden Krankenunter eigene Verwaltung und Leitung genommen haben. In zahlreichenOrten des Landes, auch einzelnen solchen, wo ein behördlicher Kranken-transport eingerichtet ist, bestehen freiwillige Rettungsgesellschaftenwelche die Beförderung der Verunglückten und Verletzten besorgen.

In Wien war das Krankentransportwesen schon in der erstenHälfte des 19. Jahrhunderts so geregelt, dass in jedem StadtbezirkeKrankenträger den Polizeicommissariaten zur Verfügung gestellt wurden,welche mittelst Sänften, Tragbetten (s. S. 375) oder Tragsesseln die Kran-ken in die Krankenhäuser beförderten. In den 60er Jahren wurden auchFahrbahren zum Gebrauch eingestellt. Mit Einführung der Anzeigepflichtgegen Ende der 70er Jahre ergab sich die Nothwendigkeit besondererBeförderungsmittel für ansteckende Kranke, für welche mit Zinkblechausgekleidete, bespannte Wagen hergestellt wurden. Diese Wagen warenals Coupewagen eingerichtet oder mit aufgehängten Tragbetten ausge-rüstet und in besonderen Depots in jedem Bezirk eingestellt, wobeiKutscher und Pferde von einem Unternehmer bereit zu stellen waren.Durch diese Einrichtung ging viel Zeit verloren, um einen Kranken-transport zu bestellen, indem das Polzeikommissariat, bei welchem derTransport bestellt wurde, telegraphisch die Krankenträger im Depot ver-ständigte, welche die Bespannung herbeirufen mussten. Da die Coupe-wagen den Transport der Kranken nur in sitzender Haltung oder beiKindern auf den Armen des Krankenträgers ermöglichten, in den anderenWagen aber abgesehen von dem Tragbette auch Sitze vorhanden waren,sodass in ihnen der Transport sowohl liegend als sitzend möglich war,blieben für den Transport der ansteckenden Kranken hauptsächlich dieWagen mit den hängenden Tragen in Verwendung. Die Wagen glichender Beschreibung nach vollkommen denen, welche später von der frei-willigen Rettungsgesellschaft benutzt wurden. Die Trage, auf welcherder Kranke liegt, besteht aus Zinkblech, hat verstellbaren Kopftheil,verschiebbare Tragstangen. Kinder werden mit einem Theil ihres aus derWohnung entnommenen Bettzeuges transportirt. Für Erwachsene werdenbei kühler Witterung Bettdecken mitgeführt, welche nach jedem Transportdesinficirt werden. Vom Jahre 1892 an ergab sich für die Stadt durchdie Eingemeindung einer Anzahl von Vororten in das Gemeindegebiet vonWien und durch bauliche Umgestaltungen die Notwendigkeit einer Neu-gestaltung des Krankentransportwesens. Besonders wurde die Räder-bahre abgeschafft, und versucht, den gesammten Krankentransportdienstzu centralisircn. Vorläufig ist diese Absicht noch nicht vollendet, welchedarin gipfelt, für ganz Wien 5 Centralstellen zu errichten, welcheSa-nitätsstationen" heissen, den Transport von ansteckenden und anderenKranken aus den bestimmten Bezirken und auch die Dampfdesinfectionfür diese besorgen. Die Wagen und ihr beweglicher Inhalt werden nachjedem Transport in der Station desinficirt, in welcher für den Kranken-transport und die Desinfection verschiedene Gebäude und Mannschaftenauf einem Räume dienen. Vorläufig ist nur die Sanitätsstation im