v. KNEBEL 354
Unterwerfung unter die dortige Zensur sobald wie möglich geradevor seinen heimatlichen Behörden zu rehabilitieren:
„Berlin, d. 28. März 1836.Je mehr Sie die, wie ich wünsche, nur momentane Störung unseresVerhältnisses aus einem ruhigen Gesichtspunkt beti achten werden,je deutlicher muß es Ihnen sein, daß Sie selbst lediglich durchLeidenschaftlichkeit dieselbe hervorgerufen. Daß Sie das Vorwortwegließen, daß Sie selbst in der Einrichtung des Buches eine Proce-dur vornahmen, die in die Befugnisse der Redaction eingriff, diesAlles hätte sich am Ende verschmerzen lassen, und wir waren J abereits darüber hinaus. Aber daß Sie mir alles moralische Vertrauenentzogen (ohne das keine Geschäftsverbindung, noch weniger aberein Freundschaftsverhältniß bestehen kann) daß Sie mir sogar Lügeund Betrug imputirten, indem Sie mir in Ihrem Brief vom 22. d.geradezu sagten, ich hätte Sie mit dem Vorgeben einer Billigung desHerrn Ministers nur getäuscht, dies war doch wohl eine zerfressendeSäure auch für das Innere unseres Verhältnisses. Gott weiß es,welche mir räthselhafte Verblendung es, bei Ihrem sonst so edelnund guten Charakter, gewesen sein muß, daß Sie mir gar nichtsmehr glauben wollten; ich mochte Ihnen sagen, was ich wollte, eswar Alles in den Wind geredet, denn Sie hatten es sich einmal in.den Kopf gesetzt, es sei schlechterdings unmöglich, daß der Ministermein Vorwort kenne, und nun fingen Sie an, überall Täuschung undHinterlist bei mir vorauszusetzen. Ich bin zwar Mann genug, umauch ohne Billigung eines Ministers ein Vorwort schreiben und ver-treten zu können, aber in diesem Falle hätten Sie schon aus gewöhn-licher Weltklugheit einsehen müssen, daß ein Vorwort (wie über-haupt jeder Druckartikel) in dem man auf diese Weise einer hohenPerson gedenkt, nicht ohne vorgängige Erlaubniß derselben abgefaßtwerden darf. Um Ihnen zu zeigen, daß ich bei dem Herrn Ministerein volles Vertrauen genieße, kann ich Ihnen sagen, daß Ihr Brief,den Sie mit Übersendung meines Vorwortes an ihn gerichtet, mirmitgetheilt worden ist. In diesem Brief stellen Sie mich abermalsals einen Lügner dar, indem Sie dem Herrn Minister schreiben: ichhätte mich zwar darauf berufen, er kenne mein Vorwort schon, aberSie müßten Ihrerseits annehmen, es sei ihm noch unbekannt etc.Der Herr Minister hat mich nun zwar über die nunmehr unabänder-liche Auslassung meines Vorwortes getröstet, mit dem alten Spruch:wer weiß wozu es gut ist? aber er konnte mich nicht trösten überdie persönlichen Kränkungen, die ich dabei erfahren. Haben Siedenn nie daran gedacht, daß Ihnen selbst die allernachtheiligstenFolgen daraus erwachsen konnten? Und bedenken Sie, wie es mir,,dem durch vielfachen Beifall des Publikums anerkannten Schrift-