Druckschrift 
2 (1928)
Entstehung
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353
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v. KNEBEL

So Unwürdiges ist mir noch nie geboten worden, wenn ich auchbedenken muß, daß es nur Krämer sind, die mir so verächtlicheManoeuvres zutrauen. Ich sende Ihnen den Brief, verehrtester HerrGeheimer Rath, mit der gehorsamsten Bitte, Ihrerseits einige Zeilenan die Gebr. Reichenbach gelangen zu lassen, und ihnen in derDrohung, welche dieselben auch in Bezug auf Sie schreiben, durcheinige Bemerkungen als Mitherausgeber des Knebel zuvorkommenzu wollen. Zugleich bitte ich Sie, kraft dieser Eigenschaft es zu in-hibiren, daß der famose Zettel bei dem dritten Bande nicht mit aus-gegeben werden darf, zu welchem Einschreiten die Redaction einesWerkes vollkommen befugt sein muß. Wir können es dem HerrnMinister gegenüber nicht verantworten, daß ihm in einem von unsherausgegebenen Buche auf eine so lächerliche Weise gehuldigtwird; auch hätten die Verleger, die so thun, als habe der Ministernur ihretwegen den Kupferstich machen lassen, erst anfragenmüssen, ob er jene öffentliche Dankesäußerung erlaube, zu derenZusammenstellung sie noch dazu auf eine ungeschickte Art Sätzeaus dem Manuscript meiner Vorrede gestohlen. Sie können denken,Hochverehrter, wie leid es mir thut, daß ich Sie mit dieser Misere be-lästigen muß, da Sie noch dazu vielleicht Patient sind; aber nur einWort von Ihnen könnte noch diesen Leuten, die im Grunde gut-artig sind, bemerkbar machen, zu welchem Unrecht und zu welchenBeleidigungen sie sich durch einen dortigen unbedachten Rathgeberhaben hinreißen lassen. Ich habe durch das Malheur, das meineSchriften betroffen, meinen Credit bei jenen verloren, weshalb ichauch sogleich alle ferneren Verbindungen mit ihnen abgebrochen.Ich habe die Gebr. Reichenbach von der Verpflichtung, die buntenSchriften zu drucken, heut freiwillig entbunden, und bin bereits mitVeit übereingekommen, in dessen Verlag sie nunmehr erscheinenwerden. Mit Leuten, von denen ich für Ehrenkränkungen nichteinmal die in solchen Fällen übliche Satisfaction fordern kann (weiles ridicül werden würde) kann ich keine Verbindung mehr haben . . .Noch einmal, Verzeihung für die Berührung der obigen Reichen-bachschen Trivialitäten, und nachträglich die Bemerkung, daß mansicher annehmen kann, es sei noch garnichts vom Knebel versandt,weil die preußische Recensur noch nicht erteilt worden ist."

Varnhagen scheint wirklich vermittelt zu haben, seine Briefe anReichenbach sind jedoch nicht erhalten. Der Verleger lenkte nunein, wie aus Mundts nächstem Brief hervorgeht; er hielt dem be-freundeten Geschäftsmann nochmals seine merkwürdige Art undWeise vor und knüpfte die frühere gute Beziehung wieder an, bliebaber gleichwohl bei seinem Entschluß, die Fortsetzung des „Lite-rarischen Zodiacus", die unter dem Titel „Dioskuren" erschienen ist(vgl. S. 436L), einem Berliner Verlag zu übergeben, um sich durch

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