Fürsorge auf dem Gebiete des Krankentransportwesens. 411
gerichtet. Im oberen Theile geöffnet ist auch der für 4 liegende Krankeverfertigte zweirädrige Krankenwagen des Fürsten Lvoff, der gleich-falls in Paris ausgestellt war. Der letztere Wagen ist für Kriegszweckebestimmt.
Im Allgemeinen ist zu sagen, dass sich in Städten offene Kranken-wagen nicht zur Beförderung von Kranken eignen, da sie die Krankenden AVitterungsverhältnissen und den Blicken der Umgebung preis-geben. Für das Land liegen allerdings die Verhältnisse anders, daja nicht in kleineren Ortschaften oder Dörfern überall Transportwagenzur Verfügung stehen können. Hier gelangen Aushülfsmittel, welchenoch bei der allgemeinen Einrichtung des Krankentransportwesens zu er-örtern sein werden, zur Verwendung.
Die verschiedenen Arten der Beförderungsmittel (für Verwundete)beurtheilt Port in folgender Weise: „Wenn die Krankentragen wegen derSanftheit der Beförderung die Note „sehr gut" und die Krankenwagenwegen ihrer etwas geringeren Sanftheit die Note „gut" verdienen, sokommt unserer dritten Gattung von Transportmitteln, den Landwagen,unbedingt die Note „schlecht" zu." Dieses Urtheil des hervorragendenMilitärarztes ist von Interesse, als sich darin der grosse Unterschieddes Heeres- und Civilkrankentransportwesens deutlich kund giebt. Denngerade für die Friedensverhältnisse sind andere Bedingungen zu erfüllenals für die Verhältnisse des Krieges. Ich möchte diese hier etwas ein-gehender darlegen, da darnach die für die noch zu schildernden Beför-derungsarten geltenden Grundsätze ohne Weiteres sich herstellen lassen.
Im Frieden sind Beförderungsmittel in genügender Zahl in denStädten und sogar auch möglicher Weise auf dem Lande nicht allzuschwer in Bereitschaft zu halten, oder für den Einzelfall oder auch beiMassenunfällen auf dem flachen Lande zu improvisiren. Ganz andersim Kriege, wo nach einer Schlacht besonders in den grossenZukunftskriegen wohl niemals eine genügende Zahl von Transport-mitteln für die Verwundeten vorhanden sein kann. Hier wird man alsomanche von den Eingangs an die einzelnen Transportmittel und die Artdes Transportes überhaupt gestellten Anforderungen fallen lassen müssen.Man wird sich ja selbstverständlich bemühen auch nach der Schlacht imKriege die Tragen, Wagen etc., welche gerade zur Verfügung stehen, sobecmem als möglich zu gestalten. Aber im Kriege kommt die Schnellig-keit des Transportes sehr viel mehr in Frage und viel häufiger, als diesgewöhnlich bei Beförderung von Kranken im Frieden der Fall ist. Auchdie mitgeführten Krankenbeförderungsmittel haben ganz andere Bedin-gungen im Kriege als im Frieden zu erfüllen. Neben den für denFrieden geltenden Anforderungen ist vor allen Dingen noch grössereHaltbarkeit der Transportmittel, noch grössere Sicherheit für den Pa-tienten vor dem Herausfallen und schnelle und sichere Reinigungs- bezw.Desinfectionsfähigkeit Bedingung. Man stelle sich nur einmal den Bauund die Räder eines für die Friedenszwecke gefertigten Wagens vor undvergleiche hiermit die gleichen Verhältnisse der Militärkrankenwagen,