Druckschrift 
2 (1928)
Entstehung
Seite
338
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v. KNEBEL

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Von dem übrigen Inhalt des Nachlasses, zu dem er aus seinereigenen Korrespondenz vierundzwanzig Briefe Knebels beigesteuerhatte, bekam der Kanzler nichts zu sehen, und das erfüllte ihn rmsteigender Unruhe, besonders da Varnhagen offenbar die ganzeArbeit Mundt überließ und auf Müllers etwas zudringliche Mah-nungen zur Vorsicht und Beaufsichtigung des um Weimarer Emp-findlichkeiten so unbekümmerten Mitherausgebers ablehnend unoverdrießlich reagierte. „Ihr Unmuth, mein theurer Freund," schrieüihm Müller am 26. Dezember 1834 (als Antwort auf einen BrieVarnhagcns vom 13.), „über die mitübernommene Herausgabe desKnebel ist hoffentlich durch die Mittheilungen verschwunden, dieH. Mundt Ihnen von meinem letzten Briefe gemacht haben u. vonmeinem heutigen an ihn noch machen wird. Ein Mann Ihres sicher)Tactes und Überblicks kann immerhin schon durch Beirath u. Urth elviel Gutes wirken; lassen Sie sich daher Ihre Theilnahme nicht ver-drießen. Sie erwerben sich ein neues, bedeutendes Verdienst u nlWeimar — schon selbst durch Verhüthung von Indiscretionen-Ebenso wie Mundt war auch Varnhagen durch die langen geschäft-lichen Verhandlungen, die jetzt endlich geklärt waren, verstimmt)und Varnhagen hatte überhaupt nicht die Absicht, den Weimaranerngegenüber irgendeine Verantwortung für den Inhalt der Knebei-schen Koirespondenz zu übernehmen.

Im Januar 1835 war nun das erste Heft der Zeitschrift „Lite-rarischer Zodiacus" erschienen, deren Probenummer die „Schriftenin bunter Reihe" gebildet hatten, und Mundts Einleitungsaufsatz„Über Bewegungsparteien in der Literatur" ebenso wie Karl Gutz-kows gleichzeitige agressivc Kritiken im Frankfurter „Phönix" überFürst Pückler und Ludwig Tieck, worüber sich der Kanzler in seinen 1nächsten Brief an Varnhagen vom 20. Februar verbreitete, versetztenihn geradezu in Bestürzung. „Thun Sie um Himmelswillen das Mög-lichste," flehte er Varnhagen an, „daß Knebels Biographie nicht injenem Sansculotten Sinn geschrieben u. bey den Briefmittheilungennicht neuer Scandal gegeben werde. Da Ihr Name dem Werke zueiner Zierde u. Schild bestimmt ist, so können Sie sich unmöglichdispensiren, wenigstens entschieden durch Ihr Veto zu wirken, woes gut u. nöthig scheint. Ich wünsche dieß auch um unsrer gutenu. edlen Fürstin wegen, die durch jene frühern rücksichtslosen Mit-theilungen in den Schriften bunter Reihe und durch das erste Heftdes Zodiacus — unter uns gesagt — sehr gegen D. Mundt erbittertworden. Mit dem 2. Hefte war sie jedoch schon weniger unzufrieden.Knebeln im Lichte des Jungen Europa' hinstellen zu wollen, wäreja ohnehin ein grober Anachronismus." Auch Heinrich LaubesRoman „Die Poeten" (erster Teil seines „Jungen Europa") waralso in Weimar als das Wetterleuchten einer neuen Zeit, als ein