Druckschrift 
2,1 (1902)
Entstehung
Seite
274
Einzelbild herunterladen
 

274 P. Jacobsoln.

zwei Gesichtspunkte bei der Ausgestaltung der Krankenpflege für wichtigund Erfolg versprechend: die nach therapeutischen Ueberlegungen durch-geführte methodische Gestaltung der unbelebten und belebten Umgebungdes Kranken, oder mit anderen Worten, die nacli ärztlichen Erwägungeneinzurichtende Regelung und Vervollkommnung des Krankencomfortsund der personellen Krankenwartung. Mendelsohn legt das Haupt-gewicht darauf, dem Kranken alles das zu verschaffen, was ihm seinenZustand bequemer und behaglicher zu machen vermag und giebt zunächstin kurzer Skizzirung eine Reihe von für den Arzt werthvollen Rath-schlägen aus dem Gebiete der Krankenpflege; auch fordert er die Aerzteauf sich mit den hierhin gehörigen Fragen mehr als bisher zu beschäf-tigen, um so eine thatkräftigere Förderung des Faches zu ermöglichen.Einen recht bedeutsamen Fortschritt für die Krankenpflege erzielte der-selbe Autor durch die seit dem Jahre 1894 von ihm herausgegebeneZeitschr. f. Krankenpflege", welche in ärztlichen Kreisen nach und nacheine rege Unterstützung fand und alsbald zum Sammelpunkt für eineReihe wichtiger das Fach berührender Veröffentlichungen wurde. In dendie Eröffnung der Zeitschrift einleitenden Worten über dieAufgabender Krankenpflege" giebt Mendelsohn einen zusammenfassenden Ueber-blick über die verschiedenen Richtungen innerhalb des neuen, wissen-schaftlich zu bebauenden Faches, nach welchen die wissenschaftlicheDetailarbeit vor sich gehen soll; er erklärt den erweiterten Begriff derwissenschaftlichen Krankenpflege". Diese besteht nicht nur in derDarreichung derjenigen Handleistungen und Dienste, welche der bott*lägerige und hilflose Kranke sich selber in seiner gezwungenen Situationnicht zu leisten vermag, nicht nur in der Bedienung des Kranken, inder Ausführung und Erfüllung seiner Wünsche, sondern sie ist geradezudie Behandlung des Kranken während der 23 3 / 4 Stunden des Tages,in welchen der Arzt nicht bei ihm ist".Wie der veränderte Zustandim Ablaufe der Lebensprocesse eines Individuums, welchen man als,Krankheit' zu bezeichnen pflegt, während der Dauer der Krankheit un-unterbrochen fortbesteht und wirksam ist, so hat die Heilkunst dem-entsprechend die Aufgabe, durch eine ebenso ununterbrochene Einwirkungauf die Person des Kranken die entstandenen Störungen zu beseitigenoder auszugleichen odar erträglich zu machon. Wenn es sich durch-führen Messe, wäre es das Ideal, dass ein Arzt gleichzeitig immer nureinen Kranken übernimmt. Nun kann sich aber natürlich kaum Einersolchen Luxus gönnen, und auch die Aerzte,, die schon jetzt dort, wosie es könnten, viel zu wenig selber mit Hand anlegen, würden wohlnicht ganz mit einer solchen Concentrirung ihrer Thätigkeit einverstan-den sein. Aber um ein klares Bild von alledem zu gewinnen, was zuden Aufgaben der Krankenpflege gehört, ist es nützlich, sich einmal, inder Idee wenigstens, vorzustellen, dass der Arzt dauernd einen Krankenwährend einer längeren und schweren Krankheit versieht, wo er nunArzt und Pflceer in einer Person sein würde. Jede Viertelstunde ver-