262 P. Jacobsohn,
kleine Chirurgie (Heilgehilfen) auf Anordnung und unter Leitung desdie Gesammtkrankenbehandlung leitenden Arztes ausüben und dieseSpecialfächer der Krankenwartung meist als einen selbstständigen Berufbetreiben. Man geht wohl kaum fehl, wenn man das sich in stetswachsender Ausbreitung zeigende Auftreten dieser Gruppe von Special-pflegepersonen in Beziehung bringt zu einem ferneren wichtigen und be-deutungsreichen Moment in dem Entwickelungsgange des modernenSpecialkrankenhauswesens. Auch die Entfaltung und das Emporblühender Specialkrankenanstalten bewegt sich heute in unverkennbarer Strö-mung nach zwei verschiedenen Richtungen hin. Die Specialhospitälerder Gegenwart, welche in ihrer Gesammtheit mehr und mehr dazu be-stimmt erscheinen, die grossen allgemeinen Krankenhäuser zu ersetzen(v. Leyden), haben sich nicht nur durch Zusammenfassung einer grösserenAnzahl in gleichartiger Weise Erkrankter unter einem Dache gebildet,sondern insbesondere in letzter Zeit auch zum Zwecke der hauptsäch-lichen Ausführung und Ausgestaltung bestimmter, jetzt in erhöhtemMaasse zur Anwendung gelangender therapeutischer Methoden. Die be-sonderen Krankenanstalten für physikalisch-diätetische Behandlung, fürMassage, Bäderbehandlung, Heilgymnastik, mechanische Behandlung etc.mehren sich von Tag zu Tag, und es scheint, dass die therapeutischeRichtung, welche gegenwärtig in der wissenschaftlichen Medicin mehr inden Vordergrund tritt (vgl. v. Leyden: Ueber Strömungen in derinneren Medicin. Deutsche med. AVochenschr. 1897. No. 25), in derZukunft noch eine reichere Entfaltung derartiger Anstalten zeitigen wird.Es ist nun in keiner AVeise zweifelhaft, dass das gehäufte Auftreten vonSpecialpflegepersonen, welche sich auf ein bestimmtes' technisches Theil-gebiet der Krankenwartung beschränken (Masseure, Heilgehilfen, Bade-pfleger etc.) auf die in stetem Fortschreiten begriffene Vermehrung der-artiger Special-Behandlungsinstitute zurückzuführen ist. Der grössteTheil dieser Specialpflegepersonen setzt sich dementsprechend aus Per-sonen zusammen, welche eine Zeit lang in Kaltwasserheilanstalten,Massage-Instituten, medico-mechanischen Anstalten, chirurgischen Poli-kliniken als Pfleger oder Pflegerinnen thätig gewesen sind, sich dannder Privatkrankenpflege zugewendet und sich je nach individuellerNeigung und individuellen Kenntnissen diese oder jene Pflege-Specialitätals dauernden Lebensberuf ausgewählt haben.
Die Wahrnehmung einer derartigen umfangreichen Specialisirung aufdem Gebiete der personellen Kranken Wartung legt nun die Frage nahe,ob diese Erscheinung im Interesse einer guten Krankenfürsorge vomärztlich-therapeutischen Standpunkte als eine erwünschte aufzufassen ist,und wie sich die ärztlichen Anforderungen, welche heutzutage auswissenschaftlichen Gründen an die Qualität der Pflegepersonen gestelltwerden müssen, dem Auftreten so zahlreicher Specialitäten im Kranken-pflegeberufe gegenüber geltend machen können. An und für sichlässt sich gegen die Existenz und die weitere A 7 ermehrung der Special-pflegepersonen verschiedenster Art kaum etwas einwenden, da man es