Druckschrift 
2,1 (1902)
Entstehung
Seite
226
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22fi P. Jacobsohn,

Doch noch mannigfache andere wichtige Aufgaben des Hospitalpflege-dienstes kommen hinzu, welche in den Zwischenzeiten zwischen den ärzt-lichen Visiten zu erledigen sind und die Thätigkeit der Pflegepersonenzu einer ununterbrochenen , überaus anstrengenden und vielseitigenmachen. Bald handelt es sich um neu aufgenommene Kranke, die in denKrankensaal gebracht, umgekleidet, eventuell gebadet, gereinigt und ge-bettet werden müssen, bald sind Messungen und Registrirungen an denKranken selbst (Puls, Respiration, Temperatur, Gewicht) oder ihren Ent-leerungen vorzunehmen, bald durch Regelung der Lüftungs-, Heizungs-,Beleuchtungs-Vorrichtungen für geeignete hygienische Verhältnisse derKrankenräume Sorge zu tragen. Auch die Beobachtung der Krankenund des Krankheitsverlaufes liegt zum Theile der personellen Kranken-wartung ob; es dürfen ihr plötzlich eintretende Verschlimmerungen desZustandes, sowie wichtige, äusserlich wahrnehmbare Krankheits-symptome nicht entgehen; gefahrdrohende Schwächezustände erheischendie sofortige Citirung ärztlichen Beistandes oder machen schnelles, um-sichtiges und entschlossenes Zugreifen nothwendig. Im Zusammenhangemit der Krankenbeobachtung, soweit sie Sache des Pflegepersonals ist,steht eine weitere wichtige Aufgabe desselben: die Berichterstattung fürdie ärztliche Visite. Wenn der Krankenbericht, den die Pflegepersonendem Arzt zu erstatten haben, seinen Zweck erfüllen soll, so muss er sowohlknapp gehalten, als auch zutreffend und klar sein. Die Pflegepergonen müssenalso nicht nur gut und richtig beobachten können, sondern auch überdie Fähigkeit verfügen, das Geschehene klar und anschaulich auseinander-zusetzen und das Wichtige hervorzuheben. Auch hierin bedarf es vielerErfahrung und Uebung, vielleicht noch in höherem Grade, als dieeigentliche Pflegethätigkeit, die hilfreiche Handleistung am Krankenlagersie erfordert. In besonderem Maasse bewährt hat sich für dieKrankenwartungdie Einführung einer schriftlichen Berichterstattung mit Hilfe von ad hoceingerichteten Pfiege-Berichtbüchern, deren Führung zwar etwas zeit-raubend ist, aber doch dem Gedächtniss der Pflegepersonen in Wünschens-werther Weise nachhilft und für den behandelnden Arzt sehr werthvollwerden kann.

Alle diese vielfachen Aufgaben der personellen Krankenwartung füllendie zwischen den Stations-Visiten liegenden Zeiträume aus, und es er-übrigt nun noch einen Blick auf die Thätigkeit während der Visitenselbst zu werfen. In manchen Krankenanstalten werden vom Arztetäglich 3 Visiten gemacht, in manchen (kleineren) Anstalten nur 2. Imersteren Falle pflegt bei der Mittagsvisite der leitende Arzt des Kranken-hauses anwesend zu sein, während die Morgen- und Abendvisite durchden Assistenzarzt allein vollzogen werden, der dann bei der Hauptvisiteüber die dazwischenliegende Zeit den ärztlichen Bericht erstattet undmit dem Chefarzt die weitere Festsetzung des Heilplanes beräth. Auchdie Zeit der ärztlichen Krankenbesuche stellt an die personelle Kranken-wartung ihre besonderen Anforderungen. Nicht nur die oben erwähnte Bericht-erstattung aus den Pflege-Berichtbüchern kommt zu ihrem Recht, sondern