Druckschrift 
2 (1928)
Entstehung
Seite
328
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JORDAN 3 28

ostpreußischen, ebenfalls aus Insterburg gebürtigen Landsmann,wage ich es, mich mit einer Bitte an Dieselben zu wenden, zu derenErfüllung ein gelegentliches Wort ausreichen dürfte.

Seit der Auflösung der deutschen Marine zu unfreiwilliger Mußeverurtheilt, habe ich mich, nach vergeblichen Bemühungen um eineAnstellung im Vaterlande, ausschließlich der schriftstellerischenThätigkeit und vorzugsweise der dramatischen gewidmet. Dieselbe istnicht ohne bemerkenswerthe Erfolge auf einer ziemlichen Anzahlvon Bühnen geblieben. Wahrhaft durchzudringen ist mir aber bisjetzt unmöglich gewesen, weil das Theater, welches für ganz Deutsch-land den Ausschlag giebt, die Königliche Bühne in Berlin, meineProductionen bisher consequent zurückgewiesen hat, auch solche,die auf andern bedeutenden Bühnen sich zuvor auf das Beste bewährthatten, wie z. B. ein Lustspiel von mir ,Die Liebesleugner'. Schwer-lich bin ich im Irrthum, wenn ich annehme, daß diese Zurückweisungweniger auf einem ungünstigen Urtheil über den literarischen Werthmeiner Arbeiten, als auf einer persönlichen Antipathie beruht habe,die sich auf meine demokratisch gefärbte Vergangenheit vor 1848beziehen mochte, und wenn ich damit eines bekannten Blattes [zwei-fellos der ,Kreuzzeitung'] Beflissenheit, mich bei jeder Gelegenheitanzuschwärzen, in ursachliche Verbindung setze.

Eine Tragödie von mir ,Die Witwe des Agis', von der ich Ew. Ex-cellenz beikommend ein Exemplar zu überreichen die Ehre habe,wurde von dem durch Se. Majestät den König Maximilian vonBayern eingesetzten Preisgericht von 113 Concurrenzstücken nebeneiner andern Tragödie als preiswürdig anerkannt, auch soll dieselbe,nach den Berichten fast aller Blätter, bei der Vorstellung in Mün-chen den größeren Erfolg erzielt haben. Dasselbe Stück hatte ichgleichzeitig anonym in Berlin eingereicht. Nach Privatnachrichtenwurde es von Seiten der dortigen Regie und Intendanz beifällig an-erkannt und die Annahme schien bevorzustehen. Jetzt aber, nachdemdurch die Entscheidung des Münchener Preisgerichts meine Autor-schaft bekannt geworden ist, scheint die alte Abneigung wieder denAusschlag gegen mich gegeben zu haben und alle Aussicht zurAufführung in Berlin verschwunden zu sein.

Wenn nun Ew. Excellenz die Gewogenheit haben wollten, ge-legentlich an geeigneter Stelle ein freundliches Fürwort für meineArbeit einzulegen, so zweifle ich nicht, daß dasselbe mächtig genugsein würde, jenen Widerstand zu überwinden. Indem ich darum ehr-erbietigst bitte, hoffe ich, daß Ew. Excellenz die Zumuthung, Sichbei Ihrer hohen Stellung mit so untergeordneten Dingen zu befassen,gütigst entschuldigen werden, wenn ich versichere, daß die Erfüllungdes bezeichneten Wunsches für den dramatischen Schriftsteller die