JORDAN 3 2 4
Daher der Titel „Schaum", den ein Strom aufwirbelt, wenn ihm
Felsen den Weg versperren:
Er will hinaus — ihn hindert der Damm,Und grollend erklimmt er den Felsenkamm.Als wollt' er Himmel und Erde zerschellenStürzt er mit Donnergebrüll die WellenHinunter, im Fall sich selbst entleibend,In funkelnde Schaumdiamanten zerstäubend.
Dann legt sich bald die wilde Wut:
Und selbst des Himmels Sterne schimmern
Aus seines Spiegels neuverschmolznen Trümmern.
Es waren eben alles „funkelnde Schaumdiamanten", die seinjugendliches Dahinrasen aufgeworfen hatte. Aber wenn er sich auchinnerlich von dieser Vergangenheit völlig losgelöst fühlte — ih rpoetischer Ertrag erschien ihm viel zu bedeutend, um sich seinerund ihrer zu schämen. So gab er in dieser Sammlung eine Auswahlaus seinem bisherigen Schaffen und verzeichnete bei jedem Abschnittauch die Zeit seiner Entstehung. „Die Heimkehr" (1841) war einestark veränderte Fassung der „Himmelsentsagung" in den „IrdischenPhantasieen"; „Glocke und Kanone" das eine der beiden „Zeit-gedichte" von 1841; die „Wilden Lieder" boten Proben seiner poli-tischen Lyrik aus den Jahren 1841—1844, darunter war auch dasobenerwähnte Gedicht an den Jugendfreund Gottschall, eine Absagean Robert Prutz wegen seines allzu gemäßigten Dombaugedichtes(1842), „Der Schiffer und der Gott" von 1842, das ihn drei Jahrespäter ins Gefängnis brachte, der „Abschied von Königsberg" (1843)und weniges aus den letzten Jahren; daran schloß sich ein Fragment„Ein letzterKönig" (1842) ; „Liebesgedichte, romantisch und modern"endeten mit den ironischen Versen über seine kirchliche Trauung;eine epische Erzählung „Das Stelldichein" (1844) zeigt ihn ganzim Banne Lord Byrons, noch mehr das darauffolgende „Potpourrimit Arabesken und Seitenhieben" (1846), eine blutige Verhöhnungseiner Erlebnisse mit der „ehrenwerten Literatenzunft" zu Leipzig,vor allem mit Berthold Auerbach, und alles dessen, was er in sichüberwunden hatte, eine ebenso boshafte wie witzige Nachgeburt des„Don Juan", von der man bedauern darf, daß sie nicht über den„Ersten Gang" hinausgekommen ist; den Abschluß bildete die schongenannte „Familienszene" von 1846. Die Leipziger und die säch-sische Regierung werden dem Dichter, der, pour prendre conge,ihnen diesen ziemlich dicken Band auf den Tisch warf, keine Tränenachgeweint haben.
„Doch die Kastraten klagten, Ich sänge gar zu grob" — diesesHeinesche Motto setzte er der „Familienscene" voran. Es paßte